Kultur :  KURZ  &  KRITISCH 

Christiane Tewinkel

YOUNG EURO CLASSIC 

Gartenmusik: Das Orchestre Symphonique des Jeunes de Montréal

„Er tat alles, wie es die andern taten“, heißt es in Büchners Novelle „Lenz“. Dasselbe möchte man von Louis Lavigueur sagen, der das Orchestre Symphonique des Jeunes de Montréal dirigiert: Er steht aufrecht am Pult, ermutigt seine Musiker, schüttelt die Mähne und gibt Einsätze. Trotzdem wird kein Schuh daraus, also keine Musik. Zum einen klappert es. Das wäre noch in Ordnung, schließlich spielen auch in diesem Gastorchester von Young Euro Classic Musiker und Musikerinnen zwischen 13 und 25 Jahren. Im Ganzen aber gerät der Abend ungemein fade – obwohl Mendelssohns „Sommernachtstraum“-Ouvertüre und sein Violinkonzert (mit Andrej Bielow, der das Solo schlank und sportlich nimmt, dessen Timbre fast besser zu seiner Bach-Zugabe passt), der immerhin atmosphärisch angelegte „Jardin mystérieux“ von Denis Gougeon, vor allem aber Hector Berlioz’ „Symphonie fantastique“ viel Material bieten für Leben in der Konzerthaus-Bude.

Irgendwie jedoch gelingt es Lavigueur, Klangfarbigkeit, Puls und Inspiration außen vor zu halten, selbst beim herrlich herbeiflimmernden Mendelssohn und der frohgemuten, dann zutiefst aufgewühlten Musik eines Berlioz. Das ist schon eine Leistung. Erst mit der Zugabe, der Ouvertüre zu Édouard Lalos Oper „Le Roi d’Ys“, aus der, wie Lavigueur dem Publikum charmant bedeutet, auch Wagner-affine Themen tönen, kann der Abend einigermaßen schwungvoll ausklingen. Christiane Tewinkel

KUNST

Trauerzug: Howard Kanovitz

im Kunstverein El Sourdog Hex

Eine Spur makaber wirkt das schon: Die Malerei-Installation „Death in Treme“ im Kunstverein El Sourdog Hex erzählt von einer Beerdigungszeremonie in New Orleans. Seit langem geplant, kommt die Ausstellung nun einem Trauerzug für den Maler Howard Kanovitz gleich. Im Februar ist der amerikanische Fotorealist in New York gestorben. Kanovitz, Anfang der fünfziger Jahre Assistent des Abstrakten Expressionisten Franz Kline, hatte das Action Painting seiner frühen Jahre längst hinter sich gelassen, als seine fotorealistische Malerei 1972 und 1977 auf der Documenta präsentiert wurde (Zimmerstr. 77, bis 29.9., Di–Sa 11–18 Uhr).

Die mehrteilige Arbeit im Showroom des Sammlers Reinhard Onnasch kommt als nachträgliche Ergänzung zur Fotorealisten-Schau „Picturing America“ in der Deutschen Guggenheim Berlin wie gerufen. Kanovitz hat dem Stil der skrupulösen Präzision seinen Stempel aufgedrückt. Bezeichnend ist die Entfaltung des 1970 entstandenen Ensembles im Raum: Ein Landschaftsbild mit Wolken hängt an der Wand, daneben figürlich ausgeschnittene Sargträger, eine Blaskapelle schwebt an Fäden von der Decke herab, davor sind gemalte Akteure als Aufsteller platziert. Treme, das im Titel genannte Viertel in New Orleans, ist übrigens jener Ort von historischer Bedeutung, an dem sich Afroamerikaner erstmals frei niederlassen durften. Lebenslust und Abschiedsschmerz: Ein Raumbild mit vielen Facetten. Jens Hinrichsen

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