Kultur :  KURZ  &  KRITISCH 

Volker Lüke

POP

Dämonen des Sonnenuntergangs:

Soulsavers im Postbahnhof

Musik, die einem die Seele rettet, weil sie noch trauriger ist, als man es selbst je sein könnte. In dieser Hinsicht machen die Soulsavers ihrem Namen alle Ehre. Die samtige Atmosphäre eines wohltuend traurigen Besäufnisses liegt über den Klängen des britischen Produzenten- duos, das 2003 mit Triphop anfing und sich zu düsterem Gospel-Rock durchgearbeitet hat. Auch bei ihrem dritten Album „Broken“ steht erneut die grandiose Kellerstimme des US-Sängers Mark Lanegan im Vordergrund, der seit 25 Jahren in so verschiedenen Bands wie Screaming Trees, Queens of the Stone Age oder Gutter Twins die Dämonen seiner Alkoholsucht austreibt. Seine Songs sind den mythischen Wurzeln der amerikanischen Gesellschaft verpflichtet und passen bestens zu den cinematischen Soundscapes von Rich Machin und Ian Glover.

Bei der Livepräsentation im Postbahnhof simuliert Lanegan den Prediger am Straßenrand und reißt sich kraft angelernter Härte selbst aus der Lethargie, mit einer Stimme, die trotz Entziehungskur immer noch wie eine Badewanne voller Whisky klingt. Wie schön der Mann doch singen kann, wenn das Gegurgel bei Will Oldhams „You Will Miss Me When I Burn“ zu einer zittrigen Ballade zusammenfließt, bevor die fünfköpfige Band die Musik an den richtigen Stellen wieder mit krachendem Feedback aus den pathetisch-romantisierenden Ecken heraustreibt. Auch die Eigenkompositionen klingen wie Klassiker, Höhepunkt ist aber Gene Clarks phänomenaler Seelentröster „Some Misunderstanding“ – als ob Ennio Morricone mit Jim Morrison in den Sonnenuntergang reitet. Volker Lüke

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