Kultur :  KURZ  &  KRITISCH 

Udo Badelt
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Flüchtig. Notgeld aus dem Jahr 1921. Foto: © Museumsstiftung Post und Telekommunikation

KLASSIK

„Echnaton“ von Philip Glass in der Parochialkirche

Eine schöne Idee: Am Tag der Wiedereröffnung des Neuen Museums führen der Berliner Cappella-Chor und das Deutsche Filmorchester Babelsberg die Oper „Echnaton“ von Philip Glass konzertant auf – ein Werk, das die Geschichte des Gatten von Nofretete erzählt. Der Ort ist großartig: Die rohen, nackten Wände der Parochialkirche in der Klosterstraße, einer der wenigen Barockbauwerke der Stadt, erzählen von einer anderen Zeit, die dem gewöhnlichen Berliner genau so fern liegen dürfte wie die mythische Epoche, von der Glass’ Musik erzählen will. Trotzdem bleibt die Werkwahl fragwürdig. Die Minimal Music ist auch nach 25 Jahren nicht interessanter geworden. Das Programmheft selbst zitiert Kritiker, die Glass’ Werke als oberflächlich, selbstplagiatorisch und banal bezeichnen, ohne diese Vorwürfe zu entkräften.

Die endlosen Repetitionen mit minimalen Abwandlungen verlieren bald ihre Sogkraft und münden in Langeweile, die auch die gut gemachten, aber etwas albernen visuellen Effekte der Projektionskünstlerin Katrin Bethge nicht durchbrechen können. Sie machen zudem der überwältigenden Präsenz der blanken Mauern unnötig Konkurrenz. Der Chor intoniert gut, singt aber inhomogen und unentschlossen, während das Orchester die Partitur überzeugender in den Griff bekommt, aber bei den Blechbläsern klare Schwächen besitzt. Der Countertenor Tim Severloh schafft es nicht, der fernen Figur des Echnaton Konturen zu verleihen. So bleibt dem Publikum nicht viel mehr übrig, als bei kalten Temperaturen von der Wärme und Sonne Ägyptens zu träumen. Udo Badelt

KUNST

„Die Sprache des Geldes“ im Museum für Kommunikation

Herrlich, in einer randvollen Schatztruhe zu wühlen. In der Sonderausstellung „Die Sprache des Geldes“ im Museum für Kommunikation steht die mit Münzen gefüllte Truhe als Beispiel für die Verbindung von Geld und Sinnlichkeit. Der Parcours führt durch eine modellhafte Stadt mit elf Stationen, die Bereiche symbolisieren, in denen Geld eine entscheidende Rolle spielt. Etwa auf dem Marktplatz, in der Bank, der Fabrik oder dem Einkaufszentrum. Kurioses gibt es dabei zu entdecken. Ein iPod hätte zur Zeit des Tauschhandels 797 Eier gekostet, Dollarnoten bestehen teilweise aus Jeans.

Die Inszenierung erinnert wenig an eine Stadt, die jeweiligen Orte werden nur durch farbige Stellwände angedeutet. Kurze Texte vermitteln Einblicke in komplexe Themen wie den Börsenhandel. Nebenher wird auch noch die 3000-jährige Geschichte des Geldes erzählt. Der Versuch, möglichst viele Aspekte zu beleuchten, führt allerdings dazu, dass die Themen nur angerissen werden. Trotzdem gelingt es, kritische Punkte anzusprechen. Neben einem 700-Euro-Luxusfressnapf für Hunde hängt der durchkalkulierte Speiseplan eines Hartz-IV- Empfängers und das in Rotlicht getauchte „Vergnügungsviertel“ lässt über die Grenzen der Käuflichkeit sinnieren: Sichtlöcher in der Wand offenbaren nackte Fakten über Prostitution. Knapp, doch wunderbar satirisch fällt der Blick auf die Bankenkrise aus: ein witziger Videospot übersetzt den Finanzpoker in ein groteskes Monopoly-Spiel. Das Interesse am großen Roulette weckt der Streifzug allemal (bis 14.2., Di. 9–20 Uhr, Mi.–Fr. 9–17 Uhr, Sa.–So. 10–18 Uhr) . Jenny Becker

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