Kultur :  KURZ  &  KRITISCH 

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Foto: promo

POP

Ummtata: Die Sterne im Lido

Ihre Fans können sich Die Sterne abschminken. Was nicht daran liegt, dass keine gekommen wären. Sondern, dass sie zu dick aufgetragen haben. Um zu vertuschen: Wir sind alt geworden. Sind sie nämlich. Viele von ihnen. Sind Die Sterne auch. In all den Jahren. „Schön, dass ihr euch erinnert“, ruft Sänger Frank Spilker einmal. Neulich hat, nach zehn Jahren Mitgliedschaft, Keyboarder Richard von der Schulenburg die Band verlassen. Er wolle „die ästhetischen Veränderungen nicht mittragen und verlässt die Band im Guten“, teilte der dreiköpfige Bandrest mit, obwohl Schulenburg nicht zehn ist, sondern 35. Damit wären wir beim Thema. Denn diese Band, die man liebt für ihre schönen Texte („Es fürchtet sich der Witz vor der Pointe“), hat sich unästhetisch verändert. Springt auf einen grausligen Disko-Zug und macht Lieder, die aus einer Zeile bestehen, ummtata – passend heißt die neue CD „Der Riss“, produziert hat sie der Münchner Elektro-DJ Modica. Beruhigend, dass Die Sterne selbst drüber gestritten haben. Die Fans ertragen das Neue, aber wollen belohnt werden.

Denn im knackevollen Lido sind sie am Montag nicht der Neuen wegen. Die hat, zum Glück, nur drei Lieder. Der Rest ist quasi das Programm von „Live im Westwerk“, der CD von 2003. Leider fehlt aber was. „Fickt das System“, „Trrrmer“, „Universal Tellerwäscher“, „St. Pauli“. Alles da. Aber wo ist der Funke! Der Knall! Ist das den Sternen schnuppe?

„Wer kann heute beim Hören eines Stückes sicher sagen, ob es auf einem Computer oder im Proberaum entstanden ist? Und wem ist das überhaupt noch wichtig?“, lässt sich Sänger Spilker zitieren. Wer weiß, ob’s an dieser Einstellung liegt, dass der Abend nicht wild ist? Oder doch am Alter. Martin Machowecz

JAZZ

Fair Lady: Diana Krall in der Philharmonie

Irgendwann muss sie sich dann selber ermahnen: „Sorry, ich bin ja hier nicht zum Plaudern, sondern um Klavier zu spielen.“ Stimmt. Übel nehmen mag man ihr die Gesprächigkeit aber nicht: Denn Diana Krall überrascht das Publikum in der ordentlich besuchten Philharmonie mit lässig servierten Anekdoten und trockenem Humor, erzählt, wie sie neulich den legendären Astronauten Buzz Aldrin kennengelernt hat – und spielt danach „Fly me to the moon“. Zum Herzensgruß an ihren Mann Elvis Costello wird „I’ve grown accustomed to her face“ aus „My Fair Lady“, in das sie elegant improvisierend „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ hineinwebt.

Seit 20 Jahren macht Diana Krall nun schon Jazz, spätestens seit ihrem Album „The Look of Love“ von 2002 ist sie ein Superstar. Nach einer längeren Babypause meldet sie sich nun mit einer neuen CD zurück – und mutet sich gleich eine Welttournee zu. Mit ihren fünf Jungs scheint sie dabei mächtig Spaß zu haben: Nachmittags dürfen die Zwillinge Frank und Dexter, die im Dezember drei Jahre alt werden, mit Mom durch den Tiergarten tollen. Und abends sind dann Gitarrist Anthony Wilson, Drummer Kareem Wiggins und Kontrabassist Ben Wolfe dran. Mit denen zelebriert Diana Krall nicht nur Bossa Novas und all time favorites im metropolitanen Klanggewand, sondern lässt durchaus auch mal einen Schmuseklassiker wie „Cheek to cheek“ in eine ziemlich wilde Zehn-Minuten-Session ausufern. Cooler kann man in goldenen Glitzer- High-Heels definitiv nicht Klavier spielen. Frederik Hanssen

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