Kultur :  KURZ  &  KRITISCH 

Isabel Herzfeld

KLASSIK

Packend: Das Mozart Piano Quartet

im Konzerthaus

Gab es mal ein Gerücht, Kammermusik hafte etwas Biederes, Verstaubtes an? Das Mozart Piano Quartet gehört zu den Ensembles, die damit gründlich aufräumen. Im kleinen Konzerthaus-Saal präsentieren sie ihre Entdeckungen: Am hellsten funkelndes Juwel ist das Klavierquartett Nr. 1 von Bohuslav Martinu, 1942 im US-Exil geschrieben. Ineinander verschobene Rhythmen umkreisen einander wie das Räderwerk einer Maschinerie, gegen die sich „menschliche“ Melodik behaupten muss. Eng verzahnt sind die Aktionen der Musiker, unter denen Hartmut Rohde an der Bratsche Impulsgeber ist. Feine Violin-Delikatesse gibt Mark Gothoni dem Quartett op. 41 von Camille Saint-Saëns, das französische Eleganz mit Mendelssohn’scher Elfenromantik verbindet. Atemberaubend die technische und atmosphärische Präzision in den bald spukhaft huschenden, bald unwirsch lospolternden Figuren der Mittelsätze.

In Dvoráks Quartett op. 87 mischen sich anrührend nostalgische Töne unter die überschäumende, plastisch-drastisch ausgestellte Spielfreude – hier gibt Paul Rivinius seinem hochvirtuosen Klavierpart beinahe orchestrale Klangfülle, während Peter Hörr sich fast zu unauffällig unterstützend einfügt. Dafür darf er in der Zugabe, dem Andante aus Schumanns Klavierquartett Es-Dur, umso edleres Cello- Timbre zeigen. Isabel Herzfeld

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