Kultur : KURZ  &  KRITISCH 

H.P. Daniels

POP

Wie es ihm gefällt: Howie Gelb

im Admiralspalast

Er beherrscht die große Geste des Rock- ’n’-Roll-Predigers ebenso wie den Stil des einsamen Beatnik-Hobo: mit Trilby-Hut und knittriger Second-Hand-Garderobe setzt sich Howie Gelb auf einen Stuhl, während die Fans im kleinen Saal des Admiralspalasts einen andächtigen Halbkreis bilden. Der Songwriter aus Tucson, Arizona, düdelt Bluesiges auf der alten Gibson-Halbresonanzgitarre, bricht ab, brummelt Unverständliches, grinst seinen einzigen Begleiter an, der einen selbstgezimmerten Kontrabass zupft. Gelb singt dicht am Mikrofon: leise, tief und knurrig, flüsternd fast, Sprechgesang mit den gemischten Stimmfarben von J.J. Cale, Leonard Cohen, Lou Reed. Gerade erzählt er noch etwas, und schon ist er in einem neuen Song, und auch schon wieder raus, und in einem anderen Song, einer neuen Geschichte. Fingerpicking, das zwischen Folk, Jazz, Blues, Ragtime und Boogie wandert. Plötzlich knallt der Wüstenfuchs den klobigen Wanderstiefel auf ein Effektgerät, die Gitarre heult auf in doppelter Lautstärke, verzerrt und krächzig, zu ein paar Takten Heavy-Metal. Ein weiterer Stiefeltritt, und es ist, als wäre nichts geschehen: klare, warme Gitarren-Läufe.

Howie Gelb grinst. Es geht um die Liebe, um Schienenstränge, Reflexionen über ein Glasauge. Ältere Songs von seiner Band Giant Sand sind darunter, aber auch neue vom Album aus dem vorigen Jahr: „Provisions“ hieß es. Bei manchen der spontan gewählten Stücke, die er länger nicht gespielt hat, muss Gelb überlegen, wie es weitergeht. Dann denkt er sich einfach etwas Neues aus. Was auch immer er tut, sein exzellenter Bassist folgt ihm überall hin. Boogie und Swamp-Rock, Soul, Heavy-Metal-Folk und eine traumhaft umphrasierte Version des alten Elvis-Hits „Can’t Help Falling In Love“. Howie Gelb wird immer besser. H.P. Daniels

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