Kultur :  KURZ  &  KRITISCH 

THEATER

Auf der Kippe: Theaterdiscounter

gibt „Smoking or No Smoking“

Rauchen oder Nichtrauchen? Von dieser Frage kann ein Leben abhängen, nicht nur gesundheitlich, sondern auch schicksalsmäßig. In Alan Ayckbourns ZufallsWerk „Intimate Exchanges“ werden die Konsequenzen, die solche Entscheidungen nach sich ziehen, mit der Lust des gewieften Demiurgen durchgespielt. Ausgehend von Zigarettenkonsum oder -verzicht entwirft der britische Dramatiker acht Stücke mit 16 verschiedenen Enden. Das Theater kommt an seine Grenzen, will es alle Varianten zeigen. Berühmt geworden ist das Opus Magnum im Kino, durch Alain Resnais’ Filme „Smoking“ und „No Smoking“. Nun hat Regisseur Sven Mundt im Theaterdiscounter neuen Zugang zum Stoff gesucht – und gefunden. In seinem Resnais-verwandt „Smoking or No Smoking“ betitelten Abend (wieder am 18. und 19. Dezember) zeigt er zwei Schauspieler in der Probensituation, die die Optionen ihrer Figuren diskutieren. Eine Versuchsanordnung, die den Autor ernst nimmt und seine Spielregeln für eine Reflexion über die Grenzen der Beherrschbarkeit des Lebens durch die Kunst nutzt. Sonchai Körner und Mario Mentrup, die sich mit Skript in der Hand gegenübersitzen, agieren dabei zurückgenommen – und verschwinden im Lauf des Abends zusehends im Nebel ihrer vielen gerauchten Zigaretten. Patrick Wildermann

KUNST

Nur die Ruhe: „Amerikana“

in der NGBK

Diese Stille überrascht. Mit „Amerikana“, der vorletzten Ausstellung vor ihrer Renovierungspause im Februar, thematisiert die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst (Oranienstr. 25, bis 10. 1.; tägl. 12-19, Sa. bis 20 Uhr) Mythen, die unser Bild von den USA geprägt haben: den Kult um große Autos und endlose Straßen, die Legenden von Cowboys, Indianern, Popstars und Politaktivisten. Doch trotz Countryballaden und Videobildern herrscht hier eine fast entrückte Ruhe. Kurator Frank Wagner hat das große Thema in elf Beiträgen von acht Künstlern verdichtet, unter ihnen John Miller und Paul Pfeiffer. „Amerikana“, sagt Wagner, sei eine „kritische Affirmation“. Tatsächlich zählen zu den stärksten Arbeiten Donald Moffetts Tafelbilder aus einem aufwendig ausgewalzten und silbern eingefärbten Kunstharzteig: Exakt so groß wie amerikanische Kühlschränke ironisieren sie jeden Fortschrittsglauben. Auch Robert Gobers Fotoserie „1978 – 2000“ zählt dazu, das Herzstück der Ausstellung. Gober hat alte Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die er auf einer Autofahrt von Manhattan zum Atlantik machte, mit Fotos von Fundstücken wie Plastikflaschen kombiniert. So ist ein poetischer Essay zu US-Debatten über Sujets wie Redefreiheit oder Umweltschutz entstanden. Nicht zuletzt Gobers Reflexion lässt „Amerikana“ wie eine Studie für eine Museumsschau über eine Zeit wirken, als amerikanische Themen in Musik, Kino und Fernsehen noch allgegenwärtig waren. Inzwischen haben sich die digitalen übermittelten Mythen aus China, Indien und Dubai zu ihnen gesellt. Amerika gibt nicht mehr allein den Ton an. Auch deshalb wirkt „Amerikana“ so still. Claudia Wahjudi

KLASSIK

Hoch die Tasten: „Lichtblicke“

in der Temporären Kunsthalle

Ohne künstliches Licht würde der Advent kaum als heimelig empfunden werden, sondern als kalte, tote Zeit. Licht kann die Stimmung entscheidend beeinflussen und wird, zum Beispiel im Zehlendorfer Theodor-Wenzel-Werk, auch in der Behandlung von Depressionen eingesetzt. Um für einen Vortrag der Informationskampagne „Lichtblicke – Wege aus der Depression“ (15. Dezember, 17.30 Uhr, Urania) zu werben, hat das Werk ein Konzert in der Temporären Kunsthalle ausgerichtet. Wie immer, wenn gehobene Stimmung sich verbreiten soll, greift man auf Wolfgang Amadeus Mozart zurück. Zu den Klängen seiner Violinkonzerte wechseln die Scheinwerfer unaufdringlich und effektfrei die Farben (Lichtdesign: Sebastian Alphons, Staatsoper Unter den Linden). Konstanze von Gutzeit (Cello) und Xiao Xiao Zhu (Klavier) haben im Anschluss akustikbedingt einen schweren Stand: Da die Nachhallzeit der Halle jene des Berliner Doms übertreffen dürfte, verschwimmen die die pianistischen Bemühungen in einem Klangbrei. Besser hingegen kann sich das Cello durchsetzen. Der Strich der Solistin ist, etwa in Schostakowitschs Sonate op. 40, energisch, entschlossen, kämpferisch. Ein Spiel, das keine Depressionen zu kennen scheint. Udo Badelt

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