Kultur :  KURZ  &  KRITISCH 

Jens Hinrichsen

KUNST

Malerisch: Fotografien aus Ceylon

im Museum für Asiatische Kunst

Arkadien ist schwarzweiß. Aber das macht nichts, hat man doch Knospen, Blüten, Blätter und Früchte selten so irisierend schön gesehen wie auf den frühen Fotografien aus Ceylon – der heutigen Republik Sri Lanka. Der „indische“ Flügel des Museums für Asiatische Kunst widmet der britischen Fotografie ab den 1860er-Jahren die Sonderausstellung „Tropical Arcadia“ (Dahlem, Lansstraße 8, bis 31.1., Di-Fr 10-18, Sa u. So 11-18 Uhr).

Im Zentrum steht der alte Peradeniya-Garten bei Kandy, den die Briten um 1820 umgestalteten. In Reichweite des „Botanical Garden of Peradeniya“ eröffnete Charles Thomas ein Fotostudio, mit dem er sich auf Blütenportraits und Früchtestilleben spezialisierte. Sein Kollege William L.H. Skeen war berühmt für romantisierende Landschaftsfotografien. Auf seine Aufnahmen eines Riesenbambuswaldes oder der Steintreppe von Mihintale passt das Attribut „malerisch“.

Die Präsentation der seltenen, äußerst tonwertreichen Vintage Prints wird von Exponaten flaniert, die Entstehungsumstände und Nachwirkung veranschaulichen. Die Motive wiederholen sich in Reiseführern, auf Postkarten und den im 19. Jahrhundert beliebten Stereo-Fotografien. Doch die frühen Beispiele von Massenbildproduktion nimmt den künstlerisch ambitionierten Vorbildern nicht den Zauber. Jens Hinrichsen

ARCHITEKTUR

Freie Form: Roberto Burle Marx

in der Brasilianischen Botschaft

Roberto Burle Marx war ein Revolutionär der Gartenkunst. Zu Beginn seines Schaffens galten noch die Prinzipien Symmetrie, Geometrie und Strenge. Natur und Wald waren Synonyme für Kulturlosigkeit und Wildnis. Diesem Topos widersetzte sich der brasilianische Gartenarchitekt, indem er lokaltypischen Pflanzen und der freien Form eine Bahn schlug. Während eines Deutschlandaufenthalts entdeckte der Sohn eines deutschen Kaufmanns als 17-Jähriger im Tropenhaus des Dahlemer Botanischen Gartens die Vegetation seiner Heimat. Anlässlich seines 100. Geburtstages würdigt die brasilianische Botschaft ihn nun mit einer sehenswerten Ausstellung (Wallstr. 57, bis 6. 2.; Mo-Fr 10-18, Sa 14-18 Uhr).

In den dreißiger Jahren entwarf Burle Marx Dachgärten auf avantgardistischen Villen in Rio de Janeiro. Zunehmend entwickelte er öffentliche Gärten und Plätze. Seine kilometerlangen, mit ausgewählten Belägen und Pflanzungen durchkomponierten Meerespromenaden scheinen den Rhythmen von Astrudo und Joao Gilberto entsprungen zu sein. Jörg Rüter

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