Kultur : KURZ  &  KRITISCH 

KLASSIK

Irritierend: „Monolog nach W. A. Mozart“ in den Sophiensaelen

Könnte man Konstanze aus Mozarts „Entführung aus dem Serail“ nicht als Susanne Osthoff darstellen? Und könnte man ihren Verlobten Belmonte, der bemerkt, dass Konstanze eine Anhänglichkeit mit dem Bassa Selim verbindet, dann nicht als Vertreter der irritierten deutschen Öffentlichkeit präsentieren? Wollte man all dies in einer konventionellen Operninszenierung umsetzen, dann würde es im dramaturgischen Gebälk knirschen. Doch das Team um den Regisseur Ulrich Rasche, den musikalischen Arrangeur Michael Emanuel Bauer und den Elektrokomponisten Hannes Strobl hat einen Weg gefunden: Für ihren „Monolog nach Wolfgang Amadeus Mozart“ lassen sie die von Kornelia Lüdorff gesprochenen Worte Susanne Osthoffs sowie musikalische Splitter aus Mozarts Oper in einer einstündigen Nachtmusik in den Sophiensaelen kreisen (wieder am 12. und 13. 2.). Ostinate Wiederholungen des durch Cello, Klarinette und Tenor aufgeschichteten Ausrufs „Konstanze“ oder Osthoffs „Ich glaub, das interessiert niemanden“ lenken die Aufmerksamkeit auf Details von Partitur und Geschichte. Sie animieren die Zuhörer, die Erinnerungen an den Entführungsfall Osthoff differenzierter zu betrachten. Rasche ist damit eine eindringliche Studie gelungen, bei der man lediglich eine Auseinandersetzung mit Mozarts subversivem Humor vermissen könnte. Carsten Niemann

KLASSIK

Irrwitzig: Berlin Piano-Percussion im Konzerthaus

Bei Neuer Musik weiß man ja nie so genau. Als beim Konzert von Berlin PianoPercussion gleich zweimal ein bohrendes Geräusch von der Decke des Werner- Otto-Saals ertönt, da ist man fast sicher: Alltagsästhetik à la John Cage – hier gehört alles zum Werk! In Wahrheit ist es nur die Lüftung des Konzerthauses, zufällig angesprungen (auch das würde Cage gefallen!), und so setzt das Ensemble sein Programm unbeirrt fort. Der Abend ist ein Plädoyer für diese ungewöhnliche, weil ungemein aufwendige Besetzung. Eine Dirigentin, zwei Flügel und zwei Percussionisten, die sich hinter riesigen Burgen von Klangerzeugungswerkzeugen verstecken. Alles was den Namen Schlagwerk verdient, steht hier auf der Bühne. Klar, dass fünf von sechs Werken als Auftragskompositionen entstanden. Die Klaviere, von Prodromos Symeonidis und Sawami Kiyoshi mit innigem Verständnis für Konstruktivismus gespielt, wechseln immer wieder die Funktion vom Klangfarbenspender zu gezupften und beklopften Percussionsinstrumenten. Die Uraufführungen machen zwischen rhythmisch-thematischer Charakteristik bei Michèle Reverdys „Which dreamed it?“ und minimalmusikalischen Endlospattern in Régis Campos „Eternal Sunshine.1“ eines deutlich: Die kompositorischen Grenzen für diese Besetzung sind durchaus weit gesteckt. Auch ohne Lüftung. Daniel Wixforth

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