Kultur : KURZ  &  KRITISCH 

KUNST

Pure Farbe: Daniel Biesold  in der Guardini Stiftung

Der Himmel ist schwarz. Dunkel wie die Nacht, aus der ein paar rote Farbspuren leuchten. Keine Blitze, eher Adern, die der undurchdringlichen Düsternis auf dem großen Bild ein paar Strukturen verleihen. Der Himmel ist weiß. Wolkenfelder vernebeln die Sicht auf die Leinwand, die Daniel Biesold mit immer neuen Farben füllt, bevor er die Oberflächen mit einer letzten Schicht verschließt. So bleibt die Ahnung, dass hinter dem gemalten Horizont noch ein ganzes Universum liegt. Dem Auge aber erschließt es sich nicht, obwohl alles hier pure Farbe ist.

Biesolds Bilder in der Guardini Stiftung – 14 Gemälde mit dem Ausstellungstitel „Alles unter einem Himmel“ – appellieren an die Vorstellungskraft (Askanischer Platz 4, bis 27. März, Di - Fr 14 - 19 Uhr). Und an das Wissen um die Fülle der Dinge, die man mit bloßem Hinschauen nicht fassen kann. Transzendenz ist ein Thema des Berliner Künstlers. Dennoch führt der 1964 Geborene die abstrakte Farbfeldmalerei früherer Jahrzehnte nicht lückenlos fort.

Biesold distanziert sich so weit wie möglich vom Entstehungsprozess der eigenen Bilder. Sie sind ohne Zentrum, ohne Duktus und ihre visuellen Qualitäten haben unmittelbar mit den Eigenschaften der Farben zu tun: Die „schwarzen“ Leinwände wirken wie feste, kompakte Materie, in der „weißen“ Serie scheinen die Pigmente zu diffundieren und immer neue, ungegenständliche Formationen zu erzeugen. Der Himmel ist, was der Betrachter daraus macht: Man kann sich von der Schönheit des Sichtbaren einfangen lassen. Oder aber durch die Oberfläche stoßen – ohne zu wissen, in welches schwarze Loch man dahinter fällt.Christiane Meixner



KUNST

Total mobil: Kunst aus Wolfsburg in der Berlinischen Galerie

Eine ICE-Stunde von Berlin entfernt, öffnete sich vor zehn Jahren ein gigantischer Themenpark, der sich einzig dem Automobil widmet. Welche Ideen in der Wolfsburger Autostadt von VW umgesetzt werden, zeigen die Fotografien in der Ausstellung „Erlkönig/Prototypes“, die bis zum Sonntag in der Berlinischen Galerie zu sehen sind (täglich 10 - 18 Uhr). Besonders in den Nachtaufnahmen von Peter Neusser wird deutlich, wie die Autostadt sich selbst inszeniert. Wie ein Vollmond spiegelt sich das VW-Logo der Werkshalle im dunklen Wasser. Der illuminierte Glaspavillon von Skoda am See strahlt die Sakralität einer modernen Kirche aus. Surreal ragen die beiden beleuchteten Autotürme in den Himmel.

850 Millionen Mark hat VW für diese Kunstwelt aus Glas und Stahl ausgegeben, in der jeder Blick, jede Spiegelung Kalkül ist. Neussers nächtlicher Panoramablick über Wolfsburg erinnert dank digitaler Überblendungen dann auch mehr an Las Vegas als an Wolfsburg: Lichter und Autos werden in die leeren Straßen montiert. Auch bei Tageslicht fängt Neusser mit seiner Kamera groteske Szenen ein. Die Architektur des VW-Kraftwerks dominiert, während der Pool mit Gästen des Ritz-Carlton den Bildrand säumt. Auf anderen Fotografien verlagert sich das gewohnte Schärfeverhältnis: Die Geometrie des Betons bestimmt den Blick, die Menschen erscheinen als verschwommene Konturen.

Die unheimliche Leistung der Autostadt – das dokumentieren Fotografien wie dazu gehörige Publikation – liegt in der Fähigkeit, sich alles einzuverleiben. Kunst, Kultur, Kritik, selbst den Klimawandel: Alles findet in der Autostadt seinen ästhetischen Raum, verliert aber seine Schärfe. Nicole Köstler

0 Kommentare

Neuester Kommentar