Kultur :  KURZ  &  KRITISCH 

von

THEATER

Mord mit Stil: „Lord Savils Verbrechen“ im Theater im Palais

Kopfzerbrechen macht es schon, wenn die Linien in der eigenen Hand einen zwingend zu begehenden Mord voraussagen. Oscar Wilde kleidet diese anbefohlene Geistesarbeit in seiner 1887 erschienenen Erzählung „Lord Arthur Savils Verbrechen“ mit erlesenem Geschmack ein, auch die Beförderung eines Menschen von dieser in eine andere Welt braucht schließlich Stil. So erhält der Bericht über das Heraussuchen einer Zielperson und die gesellschaftsfähigen Tötungsarten realistische Brillanz – und kaum verborgenen Hohn. Hans Jaray (1906-1990) hat die „Studie über die Pflicht“, so der Untertitel der Erzählung, in eine dreiaktige Kriminalkomödie verwandelt.

Im Theater im Palais inszeniert Herbert Olschok jetzt die Komödie, und schon das Bühnenbild von Alexander Martynow stimmt auf ein Mordvergnügen ein (erneut am heutigen 21. 3., 16 Uhr, sowie am 15. und 16. 4.). Die Winkel der hochadligen Wohnstube sind expressionistisch verfremdet, offenbaren mit in die Wände gebrochenen Fenstern Verschrobenheit. Mehr als Tisch, Stühle und ein Telefon braucht es nicht, die Darsteller glänzen in prachtvollen Kostümen (Ute Rathmann) – und werden von einer rhythmisch raffinierten Musik geleitet (Komposition und am Klavier: Ute Falkenau).

Peter Rauch gibt einen stämmigen Lord Savil, der sich mit hintergründiger Begriffsstutzigkeit intellektueller Brillanz verweigert. Olschok will das zeremoniös Überlastete der Figuren zeigen, ihre behauptete Vornehmheit. Das macht Spaß, weil das Dasein einer in ihre Nutzlosigkeit verkrallten Schicht sich offenbart. Verwandlungen werden elegant serviert, mit deutlichem Vergnügen an sanfter bis deftiger Übertreibung. Christoph Funke

0 Kommentare

Neuester Kommentar