Kultur :  KURZ  &  KRITISCH 

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KLASSIK

Charmanter Moderator: Daniel Hope präsentiert sich im Konzerthaus

Begeisterung schlägt Daniel Hope im Konzerthaus entgegen, der mit dem Zürcher Kammerorchester Barockmusik spielt und damit für sein neues Album wirbt, das er – „großer Zufall“ (Hope) – nach dem Konzert signieren wird. Aufruhr im Rund, unter den Zugaben Bachs „Air“, das der britische Geiger seiner anwesenden Mutter widmet. Und noch mehr Bravi. Trotzdem bleibt ein zwiespältiger Eindruck. Denn Hope moderiert die Stücke zwar auf freundliche Weise an – aber er interpretiert sie wie ein Haudrauf. Die virtuosen Passagen geraten ihm oft ein wenig ungepflegt, er verhetzt das Vivace aus Bachs d-Moll-Doppelkonzert, später das Finale von Telemanns Konzert a-Moll. So konterkariert er auf der Geige die Wirkung seiner Moderationen wie auch der Trouvaillen des Repertoires. Falconieris rasch sich abspinnende Chaconne oder Bibers scharfschießende, wehklagende „Sonata La Battalia“ spielt Hope mit einem Ton, der hinter dem filigranen Timbre des Zürcher Konzertmeisters Willi Zimmermann durchaus zurücksteht. Gleichviel: Ganz offenkundig kann Daniel Hope so viel mehr als nur Violine spielen. Im Nu verfliegend, hält der Abend eine angenehme Balance zwischen Zugänglichkeit und Alte-Musik-Orthodoxie.Christiane Tewinkel

KUNST

Wolkenkuckucksheime:

Fantasiehäuser von Gottfried Müller

Das „Museum der Unerhörten Dinge“ in der Schöneberger Crellestraße wirkt unscheinbar: nur ein einziger Raum, fast keine Besucher. Erst wenn man eintritt, wird der Charme des Ortes spürbar. Es gibt einen kleinen Ofen, dessen Feuer wohlige Wärme verbreitet. Der Zeichner Gottfried Müller zeigt gegenwärtig seine Ausstellung „Schwermut und Abenteuer des Hausbaus“, die durch ihren intelligenten Witz einnimmt (Crellestr. 5–6, bis 19. 3.; Mi.–Fr. 15–19 Uhr). An den Wänden sind etwa dreißig Blätter aufgehängt, deren obere Hälfte die Zeichnung eines außergewöhnlich aussehenden Gebäudes einnimmt, darunter steht ein Text. Dieser ist in der Regel wie ein Polizeibericht geschrieben: Gerade die trockene Sprache macht die Erklärungen so lustig. Die Themen sind weit gefächert: Häuser, die aufgrund von Missverständnissen falsch gebaut wurden, oder solche, die tief bis unter die Erde gehen, und andere, in denen es viel weniger Platz gibt, als man von außen meinen könnte. Alle Gebäude entspringen der Fantasie des Zeichners, so realistisch die Erklärungen auch erscheinen mögen. Max Deibert

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