Kultur :  KURZ  &  KRITISCH 

THEATER

Mitgefühl? Dennis Kellys „DNA“ in der Box des Deutschen Theaters

Ein Stück aus England, dem Land der Schuluniformen. Eine Schülerclique quält einen Mitschüler, Erniedrigungen, Hetzjagden, geworfenen Steine – bis dieser auf dem Gitter, auf das er gehetzt wurde, ausrutscht und in die Tiefe stürzt. So beginnt das Stück „DNA“ von Dennis Kelly (wieder am 29. 4., 9. und 12. 5.), das Annette Pullen mit Schauspielschülern der UdK in der Box des Deutschen Theaters eingerichtet hat. Adam ist tot. Was nun? Soll sich die Gruppe stellen? Bloß nicht. Phil, das Hirn der Gruppe, entwirft einen perfiden Ablenkungsplan, bei dem der Verdacht auf einen unbescholtenen Postboten gelenkt wird, der prompt verhaftet wird. Das Gesetz der Gruppe kennt keine Gnade. Als einer der Schüler Skrupel zeigt, wird ihm mit Totschlag gedroht.

„ DNA“ – der Titel bezieht sich nicht nur auf die manipulierten Spuren des Nichttäters am Pullover des Toten, sondern auch auf die Behauptung, Schimpansen (genau wie unsere Schülergruppe!) könnten wegen eines genetischen Mangels kein Mitgefühl entwickeln. Das Hin und Her der Machtverhältnisse innerhalb eines unter Druck stehenden Kollektivs zeigt Kelly zwar anschaulich, nur tut sich da eben nicht sonderlich viel, weil ihm die Figuren zu wenig facettenreich geraten. Die Spirale der Vertuschung löst zu wenig aus. Einer wird verrückt, die Hartherzige wird noch härter und steigt in der Hierarchie auf. Für die anderen bleibt alles beim Alten. Das Eindimensionale unterstützt auch die Regie. Jeder Schauspieler darf seine Figur als Typ anlegen. Es gibt das rätselhaft schweigende Genie (Philipp Richardt), das aggressive Alphatier John (Max Wagner), die kalte Hysterikerin Cathy (Anna von Haebler). Den Radius dieser Typen spielen die jungen Schauspieler sehr wohl aus – nur ist der eben begrenzt. Andreas Schäfer

GARTENARCHITEKTUR

Kirschbaumblüte? Guido Hager in der Galerie „Die Tankstelle“

„In unseren Gärten suchen wir eine Stimmung, die eine uralte Sehnsucht nach der Einheit mit der Natur ausdrückt“, lautet ein Leitgedanke des Schweizer Landschaftsarchitekten Guido Hager. Aber gibt es einen solchen Sehnsuchtsort auch in Berlin, womöglich dort, wo das Großstadtpflaster am härtesten ist, wo oben die U-Bahn über die Trasse saust und unten des Nachts der Transenstrich ist? Ja, es gibt ihn an der Ecke Bülow- / Frobenstraße: hinter hohem Gemäuer zwar, auf dem Gelände einer ehemaligen Tankstelle aus den 50er Jahren, die mit viel Liebe als Wohn- und Galeriehaus hergerichtet wurde. Guido Hager hat hier einen japanischen Garten angelegt und zur Präsentation seines Bandes (Über Landschaftsarchitektur, Hatje-Cantz-Verlag, 58 €) einen weiteren Traum wahr werden lassen. Der Kirschbaum blühte – und das Ende März, nachdem kurz zuvor noch alles in Eis erstarrt schien. Hagers Team hatte nachgeholfen und in mühevoller Kleinarbeit Seidenblüte um -blüte aufgeklebt.

Ganz im Sinne des Schweizer Landschaftsgärtners, der nie dem historischen Abbild eines Parks nachzueifern sucht, sondern ihn weiter zu gestalten sich bemüht. In der Galerie (bis 17. 4.; Do/Sa 13-18 Uhr) sind zehn Arbeiten seines 25-jährigen Schaffens zu sehen, aufgenommen vom englischen Fotografen Robin Foster in schwarz-weißen Panoramen. Darunter befindet sich als einziges Berliner Beispiel die Wohnanlage McNair in Steglitz, für die Hager zwischen Reihenfamilienhäusern eine Mischung aus Privatgärten und öffentlichem Grün schuf. Die uralte Sehnsucht nach der Einheit mit der Natur lebt eben auch an den Rändern der Großstadt fort. Nicola Kuhn

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