Kultur : KURZ & KRITISCH

Esther Kogelboom

POP

Auch Jungfrauen werden

irgendwann mal erwachsen

Es ist seltsam. Man glaubt ja, diese Britney Spears zu kennen. Und dann steht sie auf der Bühne. Ihr Gesicht kann man aus dieser Entfernung nicht sehen, aber es gibt eine Leinwand, über die manchmal blonde Haarsträhnen fliegen und weiße Zähne. Ganz oben im Velodrom sind noch viele Plätze frei. Prima gucken kann man von dort. Vor allem auf die Sugardaddys, die durch ihre Ferngläser die kleinen Mädchen beobachten. Viele Mädchen sind zehn Jahre alt, sorgfältig geschminkt und tragen kurze Röcke. Sie sehen älter aus als ihre Begleitpersonen und gleichzeitig so wie Britney, als sie noch vorgab, Jungfrau zu sein. Die Ferngläser-Typen streichen sich mit flacher Hand über senf- oder pflaumenfarbene Anoraks. Als wäre das Velodrom ein gutes Restaurant und die Hauptspeise halfway there.

Es ist gemein. Aber es gibt Grund zu der Vermutung, dass Britney Spears nicht gut singen kann. Als sie das Grußwort spricht – Oh gosh, Berlin! –, klingt ihre Stimme ganz anders als beim Singen. Es scheppert so verzerrt. Britney singt auch selten die richtigen Lieder, sondern meistens Versionen: eine Swing-Version, Ragga-Versionen, Lagerfeuer-Versionen und Versionen-Versionen. Cool auch ihr Auftritt am Piano – nach ein paar Takten steht sie auf, und das Klavier spielt von ganz alleine weiter. So, als wäre die Bühne eine dieser Kirmesbuden, wo man mit der Flinte one more time auf’s Klavier schießt, damit es Musik macht.

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