Kultur : KURZ & KRITISCH

Roman Rhode

COMEDY

Wider die Backfische

aus Mecklenburg-Vorpommern

Fil , alias Philipp Tägert, Kultzeichner und seit einigen Jahren Stand-up-Komödiant, lässt die Reime klappern. „Ich bin nicht Adolf Hitler gewesen“, versichert der Titel seines Programms im Tränenpalast : Eine neue Folge loser Improvisationen aus proll-berlinerndem Nonsens und ulkigem Singer-Songwriter-Trash (bis 23., 26. und 27., 29. und 30. Mai sowie 2.–6. Juni, 20.30 Uhr). Der 37-jährige Fil, einst selbst ernannter Botschafter des Märkischen Viertels, gibt den Dirty-Thirty einer verlorenen Generation, die sich eher in Moabit als in der neuen Mitte heimisch fühlt und mittlerweile über die String-Tangas von Backfischen aus Mecklenburg-Vorpommern ablästert. Fil dilettiert auf der Gitarre, deliriert in seinem Mikrokosmos aus Straßenweisheit und Proll-Pragmatismus. „Mit dem Fahrrad in den ersten Wagen!“, lautet die Losung. Die Läuterung vom Hasch- zum BVG-Rebellen versteht vielleicht nur, wer wirklicher Berliner ist. Schwaben haben bei Fil wenig zu lachen.

* * *

ROCK

Für die Freunde

wahrer Fußballkunst

Die Sportfreunde Stiller kommen aus gutem Hause. Gegen jedes Rocker-Klischee haben alle drei ein Studium zumindest mal angefangen. So beginnen sie das Konzert ihrer „Burli“-Tournee in der Columbiahalle mit der geringfügigen Verspätung von einer akademischen Viertelstunde. Mit Fußballposter-Deko starten die drei vereinnahmend mit „Im Namen der Freundschaft“. Zwei Stunden Rocknummern, unterbrochen von Ansagen an „die Liebhaber zeitgenössischer Popmusik“. Die Selbstironie gipfelt in einem wunderbar dahindilettierten „Schlagzeugsolo“. Die ausverkaufte Halle tobt, schweißnasse Körper werden kopfüber und über den Köpfen durch die Reihen gereicht. Nur nach der aktuellen Single „Ich Roque“, einer Sympathie-Bekundung für den FC Bayern, hallt es den Sportfreunden „Werder Bremen“ entgegen. Dann, nur einmal, vergessen sie doch ihre gute Kinderstube. Der Stinkefinger kommt als Antwort, wie einst bei Effenberg. Wie es das Klischee von richtigen Rockern verlangt. Richard Kropf

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