Kultur : KURZ & KRITISCH

Moritz Malsch

KLASSIK

Schaurig tönt

die Nacht

Von nächtlichen Erlebnissen berichtet Lars Vogt in seinem letzten Konzert als pianist in residence der Berliner Philharmoniker: Das Kammerkonzert von 1923-25, eine Hommage an Arnold Schönberg, steht für die Hinwendung Alban Bergs zur Zwölftontechnik. Im Adagio geht es Vogt und den Mitspielern von den Philharmonikern mehr um lyrisch-expressive Passagen als um formale Strenge. So ergibt sich ein ungewöhnlicher Kontext für Schumanns Märchenerzählungen: Immer wieder scheint die abgründige Modernität der romantischen Genrebilder durch, die sich auf E.T.A. Hoffmann beziehen. Genrebilder auch die temperamentvollen Miniaturen von György Kurtág, „Hommage à R. Sch.“.

Was man nach dieser Zusammenstellung im Kammermusiksaal nicht hören will, sind „Mannheimer Raketen“, jene neckisch aufschießenden Tonfolgen, die in der Frühklassik Mode waren. Glücklicherweise gelingt es Vogt auch in Mozarts Es-Dur-Quintett, durch ungewöhnliche Phrasierung und eine zum Teil schroffe Artikulation etwas von der Schumannschen Nachtstück-Atmosphäre hineinzuretten.

GRAFIKDESIGN

Wenn Wörter Wellen

schlagen

Anton Stankowski und Otl Aicher waren es, die Schrift und Markenkultur im Graphik- und Werbebereich untrennbar verschmolzen. Und es ist der Deutsche Werkbund, der sich das qualitätsvolle Gebrauchsdesign auf die Fahnen geschrieben hat. Einer, der sich stets dem Werkbund verbunden fühlte, der auch lange Jahre dessen Zeitschrift werkundzeit gestaltete, ist der Grafikdesigner Rudolf J. Schmitt. Nichts liebt er mehr als das doppelsinnige semantische Spiel mit Form und Bedeutung der Buchstaben. Vor allem in zwanzigjähriger Tätigkeit für die Eternit AG hat er mit den Buchstaben gezaubert, hat mit Schriftzügen ganze Trabantenstädte simuliert, Welleternit in Wellenform geschrieben und so für ein Produkt geworben ohne es zu zeigen, und alles mit einem Augenzwinkern, das den geneigten Adressaten ein Lächeln entlockt. Die Arbeit für Eternit, die zu dem wohl bekannten Erscheinungsbild der Firma geführt hat, steht im Mittelpunkt der aufschlussreichen Ausstellung in der Galerie des Deutschen Werkbundes, (Goethestr. 13, bis 4. Juni, Katalog 4,50 €), für die der Designer sein Archiv geöffnet hat. Falk Jaeger

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