Kultur : KURZ & KRITISCH

Ulrich Pollmann

NEUE MUSIK

Zarter Schleier

um Mitternacht

Die Mischung stimmt beim Eröffnungskonzert des „ space+place “-Projekts im Konzerthaus . Fünf Musikdarbietungen in vier Stunden ohne Langeweile und Ermüdungserscheinungen. Vergnüglich schlendert man durch die mit elektronischen Klängen erfüllten Nebenräume des altehrwürdigen Gebäudes oder lauscht den fein geschichteten Klangresonanzen im Treppenhaus. Den Hauptakzent setzt das Kammerensemble Neue Musik unter der Leitung von Beat Furrer allerdings mit Grundsolidem: Mit Varèse, Xenakis und Grisey stehen drei Klassiker der Moderne auf dem Programm. Varèses „Déserts“ entzückt mit 50erJahre-Elektronik von rauem Charme. Mitternachts legt sich dann Griseys „music spectrale“ als zarter Schleier über das Konzerthaus. Der dritte Teil von „space+place“ ist heute in der Oberbaum City zu hören, besser: zu begehen. Denn in acht Räumen wird dort neues von Georg Katzer, Mark André und anderen geboten.

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KUNST

Laufsteg für alle,

Applaus für jeden

Wer steht nicht gern einmal im Rampenlicht? Die 1963 geborene Künstlerin Ilona Németh hat einen Laufsteg bauen lassen, der sich durch ein paar Besonderheiten von anderen Laufstegen unterscheidet. Dieser funktioniert nämlich auch, wenn man sich allein im Raum befindet: Kaum hat man das Podest betreten, setzen Lichtschranken Scheinwerfer und Tonband in Gang, heftigstes Klatschen hebt an und zaubert einem, ob man will oder nicht, ein Lächeln ins Gesicht. Ilona Némeths Installation „Exhibition Room“ von 1998 ist sicher das charmanteste Werk in der Ausstellung Check Slovakia , mit der der Neue Ber liner Kunstverein derzeit junge Kunst aus der Slowakei präsentiert (Chausseestr. 128/129, bis 27. Juni; Di–Fr 12–18 Uhr, Sa/So 14–18 Uhr). Auch die anderen Arbeiten der insgesamt neun Künstler entsprechen jenem grenzübergreifenden Standard, der dem Besucher das Verständnis stark erleichtert, die Bestimmung der landestypischen Eigenheiten aber fast unmöglich macht. Arbeiten wie Martin Kollárs Genre-Fotos, die verknoteten Elektrostecker-Skulpturen von Erik Binder, Milan Tittels Lichtbilder oder die kryptische Konzept-Kunst von Emöke Vargová zeigen, dass die Slowakei längst in der EU angekommen ist. Ulrich Clewing

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