Kultur : KURZ & KRITISCH

Sybill Mahlke

KLASSIK

Keyboard

und Klavier

1959 „ermöglicht“ Paul Dessau einem 18-jährigen Kruzianer die Teilnahme an Karlheinz Stockhausens Kompositionsseminar bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik. Was hinter dieser Auszeichnung an Planungsraffinesse steckte, gäbe eine politische Novelle ab. Friedrich Goldmann deutet sie in privatem Gespräch an. Als Moderator in der Berliner Akademie der Künste ist er karg mit dem Wort. Wie viel gelebte künstlerische Zeitgenossenschaft als DDR-Musiker er empirisch in sich trägt, wie viel Wissen von Ideologien, flackert dennoch auf, zumal in seiner Programmgestaltung eines Konzerts der Reihe „Evolution of Our Ear“.

Da interpretieren Josef Christof und Steffen Schleiermacher mit märchenhafter Einfühlung ins Heterogene Stücke für zwei Klaviere von Boulez (1951/52) und Igor Strawinsky (1943/44). Da fehlt nicht der DDR-Komponist Reiner Bredemeyer („Schlagstück 1“), der für jede der damals kontrastierenden Stilrichtungen offen gewesen sei. Heute erweckt manche musikalische Rivalität bei historischem Hören beinahe Neid auf die verlorene Explosivität der Szene.

Goldmann, Komponistenmacher seit langem, lässt Benjamin Kobler und Ernst Surberg den Virtuosenspaß, „Rad für zwei Keyboards“ von seinem Schüler Enno Poppe zu zelebrieren, ein Stück, das sich in der Entfremdung als eine Hommage an das Klavier erweist. Goldmanns eigene Studie für zwei Klaviere überrascht mit einer neuen Vitalität, weil in ihr Bewegung eine dynamische Selbstständigkeit entwickelt.

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ARCHITEKTUR

Spandauer

Terrassen

Einfache Strukturen gehören zu den Kennzeichen der Arbeiten des Berliner Büros für Landschaftsarchitektur Häfner/Jiménez , die in der Suitcase Galerie (Choriner Straße 54, bis 7. Juli) vorgestellt werden. Wie bei der Spandauer Havel-Promenade (2001) mit ihren beiden Ebenen, die durch Treppen und Rampen verbunden sind: Die eine Ebene verläuft auf Höhe der Straße und dient als „Balkon“ mit Aussicht auf das Wasser, während sich die andere auf Havel-Niveau befindet. So entsteht ein klares Bild, das nicht von ungefähr an die Brühlschen Terrassen in Dresden erinnert. Winfried Häfner nimmt in seinen Arbeiten gerne Bezug auf historische Vorbilder und transformiert sie zu zeitgemäßen Lösungen. Das Büro kann auf eine Vielzahl gewonnener Wettbewerbe und verwirklichte Projekte aus den jüngsten Jahren verweisen.

Das gilt auch für die beiden großformatigen Panoramen, die den Schwerpunkt der aktuellen Ausstellung bilden: Sie zeigen den Entwurf für die Gestaltung des Spree-Ufers an der East Side Gallery sowie für den Alexanderplatz. Dort sind Häfner/Jiménez mit ihrem Vorschlag, den Platz durch hohe Lichtstelen in einen äußeren und einen inneren Bereich zu gliedern in die erste Preisgruppe gewählt worden. Ende Juni soll die endgültige Entscheidung über die Gestaltung des Alexanderplatzes fallen. Jürgen Tietz

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