Kultur : KURZ & KRITISCH

Michael Zajonz

KUNST

Barocke

Nacktheiten

Er musste lange auf seine Entdeckung warten. Der Maler Curt Querner , dessen 100. Geburtstag in diesem Sommer gefeiert wird, gehört zu jener lost generation, die 1933 aus der Karrierebahn flog. Querner aber überstand Naziherrschaft, Krieg und Gefangenschaft, richtete sich in der DDR in der Abgeschiedenheit seines Heimatdorfes Börnchen ein – und blieb bis zu seinem Tod 1976 Außenseiter.

Der Berliner Kunsthändler und Galerist Werner Fischer bietet nun in der Werkschau im Willy-Brandt-Haus (Stresemannstraße 28, bis 8. August; Di.–So. 12–18 Uhr, Katalog 15 €) mit rund 80 Papierarbeiten und zwei Ölbildern den ganzen Querner auf. Kaum ein Künstler seiner Generation hat das Nass-in-Nass-Aquarell so perfektioniert. Kaum einer wiederholte so unspektakuläre Motive – Landschaft, Selbstbildnis, bäuerliche Arbeit – so obsessiv. Bei den barocken Akten seiner späten Muse Herta Mickan hätte er, kommentierte Querner einmal verschmitzt, „aus Begeisterung übertrieben“. Er konnte es sich leisten.

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KLASSIK

Gesungene

Interviews

Der Himmel über Berlin kennt kein Erbarmen. Das kühle Nass prasselt herab, als säße das Publikum bei den „New Classic Stars in Concert“ nicht auf dem Gendarmenmarkt , sondern auf dem Deck des „Fliegenden Holländer“. Dabei steht von Wagner nur ein „Tannhäuser“-Schmankerl auf dem Programm, ansonsten Verdi, Donizetti und Offenbach. Die jungen Sänger treten allesamt zurzeit beim „Festival Kammeroper Schloss Rheinsberg“ auf. Festivalleiter Siegfried Matthus hat für den Berlin-Besuch seiner Talente ein paar launige „Zwischenspiele“ komponiert, in denen drei Sängerinnen als Zeitungsjungen durchs Programm leiten – und einmal ein musikalisches „Interview“ mit Kurt Masur (auf)führen. Masur ist eigentlich das Zugpferd der Veranstaltung. Doch Webers „Freischütz“-Ouvertüre dirigiert er nicht zu Ende, weil der Regensturm die Instrumente der Dresdner Philharmonie gefährdet. Und für (fast) den ganzen Rest des Abends übernimmt der junge Clemens Flick die Stabführung. Gemessen an der vollmundigen Ankündigung ist das entschieden zu wenig – Masur. Jens Hinrichsen

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