Kultur : KURZ & KRITISCH

Frank Noack

FILM

Des Teufels

brave Kinderschar

Das Kino tut sich schwer mit dem Klonen. Denken wir nur an Rolf Schübels „Blueprint“. Dort ließ sich die unheilbar kranke Konzertpianistin Franka Potente künstlich befruchten, in der Hoffnung, die ebenfalls von Franka Potente gespielte Tochter werde ihr Leben weiterführen. Die Probleme dabei waren typische Mutter-Tochter-Konflikte, die KlonThematik selbst wurde verschenkt.

Auch der Brite Nick Hamm („The Hole“) leistet zur Klondebatte keinen besonders anregenden Beitrag. Für ihn ist der Wunsch eines Ehepaares, den tödlich verunglückten Sohn rekonstruieren zu lassen, nur Anlass für ein unangemessen feierliches „Omen“-Remake. Die Story von Godsend (in 8 Berliner Kinos, OV im Cinestar Sony-Center): Die trauernden Eltern Paul und Jessie ahnen nicht, dass verdorbenes Material in Jessies Unterleib eingeführt wurde. Der aus dem Experiment hervorgehende Sohn sieht zwar aus wie das tote Original, hat jedoch böse Gene. Ein Kind des Teufels. Leider findet kein teuflisches Vergnügen statt. Als Elternpaar sind Greg Kinnear und Rebecca Romijn-Stamos farblos. Ihr Film-Sohn Cameron Bright hat, wie die meisten verzogenen Hollywood-Kinder, schon als guter Sohn eine falsche und somit teuflische Ausstrahlung. Für den bösen Klon fallen ihm keine weiteren Ausdrucksmittel mehr ein. Gut, dass wenigstens Robert de Niro mitspielt. Sämtliche Auftritte absolviert er mit einem Augenzwinkern.

KLASSIK

Die Wunder

der Seidenstraße

Jahrhunderte lang zählten die Handelsstädte der Seidenstraße zu den reichsten überhaupt in der damals bekannten Welt. Im späten 14. Jahrhundert herrschte der mongolisch-türkische Eroberer Timur gar über ein ganzes Weltreich – es ist längst vergangen, aber seine Überreste sind so eindrucksvoll wie die Ruinen des antiken Rom oder die frühchristlichen Kuppelbauten Instanbuls. Buchara, Samarkand, Rabat i Malik: klingende Namen, die für atemberaubende Pracht stehen, für mächtige Festungen, grandiose Moscheen und riesige Grabmale, verziert mit überbordenden Ornamenten, kunstvollen Mosaiken und grün-blau schimmerndem Fassadenschmuck.

Unter dem Titel Himmelsfarbe und gebrannte Erde – Ziegelarchitektur in Usbekistan präsentiert das Museum für islamische Kunst eine Ausstellung mit Bildern der Stuttgarter Fotografin Karin Eisenmann: Sie geben eine Ahnung davon, wie überwältigend der Lockruf der Seidenstraße heute noch immer ist (Pergamon-Museum, Museumsinsel, Di–So 10–18 Uhr, Do 10–22 Uhr, bis 12.September). Leider hat man für die 35 Fotos keinen anderen Platz finden können als das Treppenhaus, was ihre Betrachtung zu einem arg beiläufigen Vergnügen werden lässt. Trotzdem: in ihrer Mischung aus Einzelansichten, Panoramen und brillanten Details vermittelt die Schau etwas von dem Stein, Form und Farbe gewordenen Schnittpunkt zwischen China, dem alten Konstantinopel und dem Islam. Ulrich Clewing

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