Kultur : KURZ & KRITISCH

H. P. Daniels

ROCK

Aufsteigende

Soundblubber

„Known Unknwon“ heißt das neue Album von Vernon Reid . Bekannt geworden ist er als Gitarrist von „Living Colour“. Unbekannter seine andere Seite. Die des rein instrumentalen Solisten. So steht er auf der Bühne des Berliner Tränenpalastes . Im blauen Licht. Streetfighterhose. Gitarre im Anschlag. Mit der Begleitband „ Masque “. Coole New Yorker Jungs. No bullshit, man! Hank Schroy lässt den fünfsaitigen Bass gefährlich knurren. Marlon Browden das Ride-Becken zischen. Soundlandschaften rauschen vorbei. Affenzahn. Bis alle metallischen Töne zusammenschmelzen zu einem einzigen brodelnden Wahnsinnston. Rasend aufsteigende Soundblubber. Aus der Hitze. Funkende Riffs. Aus flinker Faust geballert. Heavy-Matal-Jazz-Bebop-Fetzen. Vom Lärm zur Ruhe. Von gezogenen süßen Melodien zu hektisch-nervösem Flattern. Und keine Bewegung zu viel. Reids lange Zöpfe schlenkern unter der Baseballkappe. Immer neue Sounds. Und in Reids Verstärker glühen dicke Röhren rosarot. Wie die Köpfe im Publikum, schwindlig und taumelig gespielt mit dieser schön vertrackten Rhythmik und Melodik.

* * *

TANZ

Mayazauber und

Marienkult

Ausgerechnet Goyas Maya! Ein berühmtes Gemälde zum Bühnenleben zu erwecken – das haben schon viele versucht. Die gefeierte Flamencotänzerin Maria Pagés , die mit ihrer Compania sechs Tage in der Berliner Komischen Oper gastiert, ist jenem skandalösen Prachtweib auf den Fersen. Die tanzende Maya – das ist Verführung pur. Doch aus der Anbetung der Maya wird bald ein Marienkult. Denn die Pagés ist eine begnadete Tänzerin, die alle Vergleiche außer Kraft setzt. Und jede aufgemotzte Rahmenhandlung vergessen lässt. Diese Dame fackelt nicht lange. Sie brennt. Ihr Tanz ist beides: Beschwörung und Attacke. Bei einem erlesenen Formbewusstsein. Das Linienspiel der Arme ist exquisit. Ihre Haltung atmet die notwendige grandezza. Ihr eruptives Temperament kontert sie mit überraschendem Humor. Maria Pagés ist ein Klasseweib – und ein Original. Sandra Luzina

Komische Oper, bis 18.7., jeweils 20 Uhr, Sonntag um 16 Uhr

0 Kommentare

Neuester Kommentar