Kultur : KURZ & KRITISCH

Daniela Sannwald

KINO

Gott segne die

Espressomaschine

Nein, nicht alle auswanderungswilligen Italiener zog es nach Little Italy oder in den Ruhrpott; ein paar gingen, in den späten Fünfzigerjahren, auch nach Australien, wohin sie, wie überall auf der Welt, so viel Italianità wie möglich exportierten. Dass dabei auf bestimmtes Zubehör – etwa eine glänzende, zischende Espressomaschine – keinesfalls verzichtet werden konnte, versteht sich.

Vor diesem Hintergrund entwickelt Eine italienische Hochzeit (Balazs, Cinestarr Tegel, Kulturbrauerei, Zoo Palast, Originalfassung im Cinestar SonyCenter) bewusst gemächlich seine kleine, vorhersehbare Verwechslungskomödie um zwei Brüder im heiratsfähigen Alter: der eine ein Schönling, der andere ein Sonderling, und beide mit mehr Herz, als man ihnen anfangs zutraut.

Angelo, der Ältere, muss langsam unter die Haube, finden er selbst sowie Tante und Onkel, stolze Besitzer der vom Priester gesegneten Espressomaschine – und da deren Import aus Italien schon mal geklappt hat, wird mangels passender Australierinnen auch eine Frau aus der alten Heimat bestellt. Doch bei einer Heiratsvermittlerin legt Angelo lieber ein Foto seines attraktiven Bruders bei, sicher ist sicher ...

Italo-Australien leuchtet in den sanften Pastelltönen der Vergangenheit, staubig-gelblich die Farben, folkloristisch-liebenswürdig die Atmosphäre und so gemütlich, dass man hofft, der eine oder andere Mafioso hätte bei der Kontrolle des örtlichen Heiratsmarktes seine Hände im Spiel. Aber nein – harmlose, alte Onkel allenthalben, keinerlei Paten weit und breit.

KONVERSATION

Im Schatten junger

Häschenblüte

Als Godzilla mit seinem radioaktiven Gluthauch Tokio auslöscht, wird es richtig eng. Fil , der singende Cartoonist, der sich als mosaischer Komiker mit Konflikten im Schlepptau vorstellt, mimt den japanischen Horror-Dino so überzeugend, dass neugierige Passanten von der Schönhauser Allee in das überfüllte nbi drängeln. Fil ist Teil der Berlin Bunny Lectures Vol. VII , für die Gastgeberin Ulrike Sterblich alias Supatopcheckerbunny das Thema „Konflikte und Auseinandersetzungen“ gesetzt hat. Assistiert von ihrem kokett aggressiven Hilfscheckerbunny verwandelt sich das kunstvoll- schlichte Comichäschen aus dem Satiremagazin „Titanic“ in die wohl charmanteste Moderatorin Berlins (www.supatopcheckerbunny.de). Kurt Scheel , Herausgeber der Zeitschrift „Merkur“, und die Autorin Corinna Stegemann mühen sich als Gäste des Abends redlich, den Hasen ihre Überlegungen nahezubringen. Das ist nicht so einfach, denn das Supatopcheckerbunny, naiv und klug zugleich, ist leicht abzulenken und hüpft von einem Gedankenblümchen zum nächsten.

Stegemann liest von einer Betriebsratsgründung aus Liebe zum Chef und wird dabei von der Pause und einem Gewinnspiel unterbrochen. Nicht so schlimm, aber nicht jeder checkts so schnell wie die Bunnies. Scheel, Kenner des amerikanischen Films, stellt anhand von Westernszenen Grundformen des Konflikts vor. Es ist schön, den Routinier sprachlos lächeln zu sehen, wenn ihn die Hasen mit ihren kecken Einwürfen aus dem Konzept bringen. Man merkt: Er redet sonst mehr. Das Publikum freut sich über das fröhliche Chaos – so sehr, dass man eine Fernsehzukunft der Supatopcheckerbunnyshow befürchten muss. Genießen wir also die Gegenwart. Sebastian Rattunde

Jeweils am letzten Mittwoch im Monat im nbi, Schönhauser Alee 157, 20 Uhr.

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