Kultur : KURZ & KRITISCH

Maxi Leinkauf

THEATER

Suppenkaspar

als Haussklave

In uns Kindern weckte er früher das kalte Grausen. Struwwelpeter tat all das, was wir nie tun durften. Im Gehen träumen, mit Streichhölzern spielen, die Nägel endlos wachsen lassen. In Berlin zu sehen auf der Freilichtbühne des Carrousel Theaters im Hof der Humboldt-Universität (17. bis 26.8., 20.30 Uhr). „Hallo, ihr Sozialschmarotzer!“, heißt die Begrüßung. In kurzen, oft zu schnell wechselnden Szenen wird gezetert und gemetzelt, der Ketchup fließt in Strömen, sie vögeln, betrügen, meist begleitet von irren Schreien. Paulinchen mit dem Feuer: eine schreiende Lolita, der Suppenkaspar ein perverser Haussklave. Die Musik für die von Phelim McDermott, Julian Crouch und Martyn Jacques inszenierte „Junk Opera“ hat das für seinen bösartigen Humor berüchtigte Londoner Trio Tiger Lillies komponiert. Am Ende des nervenden Spektakels taucht er doch noch auf, mit verfilztem roten Haar und spitzen Nägeln: Struwwelpeter ist ein Punk.

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ARCHITEKTUR

Baugerüste

im Cyberspace

ETH, das klingt in mancher Leute Ohren wie Harvard. Die Eidgenössische Technische Hochschule als Olymp der europäischen Wissenschaft und Forschung weiter auszubauen, dieses Ziel hat man sich in Zürich gesetzt, und dazu wachsen nicht nur die Spendentöpfe, sondern auch die Standorte in der Innenstadt und der Campus draußen auf dem Hönggerberg. Die ETH hat renommierte Köpfe in ihren Reihen, die sich dafür engagieren, darunter Jacques Herzog und Pierre de Meuron, Marc Angélil und Dietmar Eberle. Die Galerie Aedes East in den Hackeschen Höfen zeigt dazu bis zum 28. August die Pläne und Modelle, vom „E-Science Lab“ bis zum Sportzentrum und den Studentenwohnheimen.

Auch der nächste Schritt ist schon getan: „ETH World“ heißt der virtuelle Campus, für den die Software entwickelt wird. Es geht um elektronische Lern- und Forschungsprogramme für die standortunabhängige Universität, aber auch um Telekollaboration, bei der Menschen virtuell in andere Räume versetzt werden. Die Gestaltung solcher Räume dürfte ein Arbeitsfeld für die Architekten der Zukunft sein. Falk Jaeger

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