Kultur : KURZ & KRITISCH

Jürgen Tietz

ARCHITEKTUR

Der Bau

als Buch

Die Bauten des Schweizers Max Dudler zeichnet ein subtiler Minimalismus aus, der mal ins Puristische, mal ins Monumentale schlägt. Steinern und streng sind seine Bauten allemal, so wie das Berliner Bauministerium. Das gilt auch für seinen jetzt prämierten Entwurf für das Jacob und Wilhelm Grimm-Zentrum , die neue zentrale Universitätsbibliothek der Berliner Humboldt-Universität . Der geplante Neubau soll die Höhe der angrenzenden Bebauung entlang der Planckstraße aufnehmen, um sich dann zur S-Bahntrasse hin zu einem veritablen Bücher-Hochhaus zu entwickeln – samt vorgelagertem Platz mit Bäumen. Die Fassadenfront spielt laut Dudler „mit der Typologie des Bücherregals, dessen Form sich ja wiederum aus der des Buches ergibt“. Und selbst von außen sollen die Bücher der Bibliothek „geradezu fühlbar“ werden. Der künftige Benutzer dagegen residiert in der „ruhigen und konzentrierten“ Atmosphäre des Lesesaals, kann aber mit einem Blick durch das gläserne Dach dem geballten Bücherwissen entfliehen.

Streng und kantig gibt sich auch der zweitplazierte Beitrag der Berliner Architekten Jaklin Tenbohlen Welp , die einen Ziegelkasten vorgeschlagen haben. Das ebenfalls aus Berlin stammende Duo Müller/Reimann – Erbauer des Erweiterungsbaus vom Auswärtigen Amt – errang den dritten Platz. Mit seinem Entwurf bemühte es sich insbesondere um eine Auflockerung der Baumasse der künftigen Bibliothek. Wer sich selbst einen Eindruck von den Wettbewerbsbeiträgen machen will, hat heute noch Gelegenheit im TU-Gebäude Ackerstraße 76 (Hof 1, Halle 60, 14–19 Uhr). Oder schaut nach im Internet unter www.competitionline.de.

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KABARETT

Die Philosophin

auf Koks

Wollen Sie abnehmen, dann greifen Sie zu Speed. So schaffen Sie drei Kilo in einer Woche. Soll Ihr Liebesleben wieder ein bisschen heißer werden, dann sind Sie ein Kandidat für Ecstasy. Hannah Grunt, gespielt von Katja Hensel , kann jedem Typ die passende Droge empfehlen. In ihrem Solostück „Welche Droge passt zu mir?“ gibt sie in den Berliner Sophiensaelen einen Einblick in den effizienten Gebrauch der Suchtstoffe. Drogenberatung mal aus einer anderen Perspektive. Mit weit aufgerissenen, irren Augen verspricht Hensel, dass der Griff zur Droge Ausgleich verschafft. Wild durch den Raum hüpfend und mit hysterischer Stimme erzählt sie, wie sie mit Hilfe von Koks plötzlich den Spieldrang ihres Sohns Oskar aktiv nachvollziehen kann. Als die Droge nachlässt, ist ihr Oskar völlig fremd, und sie sieht in ihm nur noch ein kleines Männchen mit Hühnerbrust.

Hensel ist ein Energiebündel und versteht es, das Publikum mitzureißen. Ihr Tempo für Pointen kommt dem von Pistolenschüssen nah. Die Inszenierung der Regisseurin Leyla Rabih ist stark rhythmisiert, denn Humor braucht Rhythmus. Trotzdem ist das vom Werbetexter Kai Hensel verfasste Stück etwas ziellos. Zwar erhält der Zuschauer von Katja Hensel eine amüsante Einführung in die halluzinogenen Wirkungen der illegalen „Freudenspender“ sowie einen erheiternden Überblick über die Seneca-Aphorismen zur Lebensweisheit, doch eins bleibt ungeklärt: „Was soll das Ganze?“ Ramon Mirfendereski

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