Kultur : KURZ & KRITISCH

Sandra Luzina

THEATER

Country Kalle träumt

von den Sternen

Einen sinnlichen Theaterabend hatte man sich nicht wirklich versprochen von der Veranstaltung, die „Der amerikanische Penis“ heißt. Aber auch als Recherche zum Komplex Musik und Männlichkeit am Beispiel der USA geht das Projekt von Marcus Droß und Michael Wolters nicht durch. Zumal es sich als luschige Telefonkonferenz mit Bild- und Toneinspielungen tarnt. Was da über „phallische Steigerungtechniken“ berichtet wird, taugt nicht zur Realsatire. Wenn das Duo in der Präsentation technisch-theatral abrüstet, dann wohl um zu demonstrieren, dass es vor jedem Männlichkeitswahn gefeit ist. Aber sexy ist das nicht! Wenig verheißungsvoll geriet der Auftakt zu dem Freischwimmer-Festival in den Sophiensälen (noch bis 14.11.). Vier renommierte Bühnen haben sich zusammengeschlossen, um dem Nachwuchs ein Forum zu schaffen.

Das Oberthema lautete Amerika, ansonsten aber hatten die Jungstars unbegrenzte Freiheiten in der Wahl ihrer Sujets. Das Berliner Duo ging mit „Im wilden wilden Osten“ ins Rennen. Jungautorin Steffi Hensel und Regie-Punk Nico Dietrich erzählen über das Amerika-Fantasma in der DDR und ostdeutsche Country-Liebhaber. Aus Wendeverlierern werden hier Schießbudenfiguren. Country Kalle träumt von den „Sternen über Nashville“, seine Tochter Cindy Zitrone sympathisiert mit den Rechtsradikalen. Die Inszenierung flüchtet sich in einen naiven Märchenton und simple Erklärungsmuster. Ärgerlich!

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KUNST

Ikutaro Itoh liebt die

fließenden Formen

„Fließende, weiche Formen. Sehr feminin, still und elegant. Ein unbeschreibliches Gefühl, sie in der Hand zu halten“, schwärmt Ikutaro Itoh aus Osaka. Nein, Itoh begeistert sich hier nicht für feminine Proportionen, sein Blick ruht auf einer Keramikvase. Er ist Direktor des Museums für Orientalische Keramik in Osaka und auf Besuch im Dahlemer Museum für Ostasiatische Kunst , im Gepäck 20 koreanische Keramikgegenstände – eine Leihgabe im Austausch gegen die letzte Sendung Tonware vor vier Jahren. Die für die nächsten vier Jahre von Direktor Itoh ausgewählten Vasen, Schalen und Krüge sind ebenso selten wie wertvoll. Sie fügen sich in der Berliner Sammlung zu einer in Europa einzigartigen Ausstellung: Die steinernen Gefäße erzählen die Geschichte der koreanischen Keramikkunst .

Sie geben einen Überblick über die fast 1000-jährige Tradition, die Entwicklung der künstlerischen und technischen Fertigkeiten. Sanfte, unaufdringliche Farben, zarte Gravuren, keine expressiven, energischen Linien, kein überbordender Prunk: alltägliche Gebrauchsgegenstände, von volkstümlicher Marktware jedoch weit entfernt. Nur für die aristokratische Oberschicht bestimmt, spiegeln sie den Lebensstil der letzten beiden großen Dynastien Koreas. Die in Glasvitrinen weggesperrten Keramikvasen lassen Anmut und Schönheit nur erahnen. Und auch die Informationstafeln deuten ihren unschätzbaren Wert nur an. Katharina Wagner

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