Kultur : KURZ & KRITISCH

Sybill Mahlke

KLASSIK (1)

Holde

Unterhaltung

Eine virtuelle Entdeckungsreise nach Salzburg: Der Zauberton der Flöte, der selbst wilde Tiere erfreut, trifft auf die Kleine Nachtmusik. Das Naturhorn der Postillione mischt sich in ein siebenteiliges Werk mit sinfonischen Ecksätzen und experimentellen Trios. Reigen und Menuett zeigen an, dass eine Vorliebe für den Tanz herrscht: Mozarts „Posthorn-Serenade“ ist Gesellschaftsmusik, und wir sitzen brav im Konzerthaus , wo rechte Geselligkeit nicht aufkommen kann. Das Ritual des bürgerlichen Konzerts steht im Kontrast zu jener holden Unterhaltungskunst, die Fantasie ist gefordert, sich auf sie einzustimmen. Wenn das gelingt wie bei der Aufführung des Berliner Sinfonie-Orchesters mit seinen trefflichen Holzbläsern, ist viel gewonnen. Mit Feuer und Sorgfalt geleitet von dem kurzfristig eingesprungenen Dirigenten Fabrice Bollon , ist das Gelegenheitsstück in diesem Fall vom großen Mozart der „Jupiter-Sinfonie“ nicht zu übertreffen. Dafür bedürfte es einer interpretierenden Sinngebung, wie sie auf Anhieb nicht zu erreichen ist. Dazwischen die Zweite Wiener Schule: Charakteristisch verbindet ein farbiges Orchester den frühen Alban Berg mit dem der Zwölftonkomposition. Angela Denoke singt die Lieder nach Texten von Peter Altenberg wie die Baudelaire-Arie „Der Wein“ in stimmlicher Hochform. Vor allem aber bezaubert ihr Klang, weil er die künstlichen Paradiese mit geistiger Einfühlung sucht.

* * *

KLASSIK (2)

Der erste

Maestro

„Wie der Schüler dem Meister, ja wie der Sohn dem Vater in Verehrung sich naht, so naht sich Ihnen in vertrauensvoller Liebe das Philharmonische Orchester.“ Die Berliner Philharmoniker wussten, was sie Hans von Bülow zu verdanken hatten. Er war es gewesen, der das junge Orchester seit Herbst 1887 in kürzester Zeit zu nationalem Ruhm geführt hatte. So heißt es in den Neujahrsgrüßen der Musiker 1892 dann auch: „Möge es dem Schicksale gefallen, Ihnen noch viele, viele Jahre in Gesundheit und Zufriedenheit zuzumessen!“ Dies blieb leider ein frommer Wunsch: Vier Wochen später gab Bülow bekannt, er werde sich aus gesundheitlichen Gründen von seinem Posten zurückziehen; am 12. Februar 1894 starb er in Kairo, wo er sich, auf Anraten von Richard Strauss, im milden ägyptischen Klima Linderung seines Nierenleidens erhofft hatte. Zum heutigen 175. Geburtstag Hans von Bülows hat Wolf-Dieter Gewande in der Eres Edition eine Biografie herausgebracht ( 354 Seiten, 24,80 Euro ), die akribisch und wissenschaftlich fundiert den Werdegang des Künstlers nachzeichnet. Glühender Wagnerianer, brillanter Pianist, gefeierter Dirigent, Kosmopolit – so manches in Hans von Bülows Leben erinnert an Daniel Barenboim. Aber das ist wieder eine andere Geschichte... Frederik Hanssen

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben