Kultur : KURZ & KRITISCH

Bernhard Schulz

AUSSTELLUNG

Deutscher Humor ist

in New York gar komisch

Scherz, Satire, Ironie sind sicher nicht die Eigenschaften, die zuallererst oder auch nur überhaupt mit der deutschen Kunst in Zusammenhang gebracht werden. Die Neue Galerie, jenes ganz wunderbare New Yorker (Privat-) „Museum für deutsche und österreichische Kunst“ , weiß sich frei von überkommenen Vorurteilen und wirft derzeit einen erfrischenden Blick auf „ Komisch grotesk: Witz und Spott in der deutschen Kunst 1870 – 1940 “ (1048 Fifth Avenue, bis 14. Februar, Katalog 49,95 $). Die Ausstellung beruht auf einer ähnlichen Unternehmung der Frankfurter Schirn-Kunsthalle, gewinnt aber in den prachtvollen Räumen der einstigen New Yorker Stadtvilla an untergründiger Schärfe hinzu. Kuratorin Pamela Kort schert sich nicht um herkömmliche Schubladenbegriffe und kombiniert High and Low – etwa Arnold Böcklin und Karl Valentin oder Ernst Kubin und die Zeichner des „Simplicissimus“. Da werden Verwandtschaften sichtbar, die die gewöhnliche Kunstgeschichtsschreibung nicht wahrhaben will. Erst nach der Katastrophe des Ersten Weltkriegs münden Witz und Humor in Spott und beißende Satire: bei den Dadaisten, die die Welt auf den Kopf stellen und schief wieder zusammenfügen, oder bei dem – noch immer unterschätzen – Georg Scholz, dessen böses Gemälde „Industriebauern“ von 1920 das Leitmotiv der Ausstellung und ihres – wie stets vorzüglichen – Kataloges hergibt. Und mit einem Mal wird deutlich, dass es eine unermüdliche Suche nach den Ursachen hinter den Erscheinungen ist, die die deutsche Kunst dieser Jahrzehnte des Umbruchs wie einen roten Faden durchzieht, mag sie nun ernsthaft daherkommen oder spöttisch.

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POP

Mission erfüllt,

es folgt die Kür

Singen kann er, keine Frage, mit einer Stimme, die was hat, die man nicht wieder vergisst. Weiches Timbre, rauchiges Kehlkopfzittern und ein Vibrato, das entfernt an Van Morrison und Joe Cocker erinnert. Auch Max Mutzke aus Krenkingen ist einer dieser weißen Knaben, die unheimlich schwarz und sexy klingen können – Soul haben. Aber ob der sympathische Grand-Prix-Kandidat mit einer Vorliebe für Wollmützen und schlichte Pullover je dem Ruf entwächst, ein Geschöpf des Medien-Jongleurs Stefan Raab zu sein? Der TV-Master und Multiinstrumentalist (Bass, Piano, Schlagzeug, Gitarre) hat beinahe jedes Lied für die Debüt-CD seines Schützlings im Alleingang eingespielt. Max Mutzke durfte singen. Das tut er auch ganz passabel, nur leider immer auf dieselbe Weise, wie „Max Mutzke“ (Rare/Warner) nun erschreckend deutlich zeigt. So klingen alle 13 Songs wie eine Fortsetzung von „Can’t Wait Until Tonight“, jener Breitwand- Schmonzette, mit der der Wirtschaftsabiturient im allgemeinen Eurovision-Fieber zum neuen deutschen Schlagerstar aufpoliert wurde, während er sich eigentlich auf seinen Schulabschluss hätte vorbereiten sollen. Nach einem achten Platz in Istanbul ging plötzlich alles ganz langsam – mit dem Effekt, dass zumindest keine schlechte Musik entstanden ist. Aber was ihr fehlt, ist mehr sein zu wollen, als bloß eine charmante Idee. So versteckt sich Mutzke hinter seinem wunderbaren Organ, das die Höhen und Tiefen menschlicher Regungen mit dramatischen Skalensprüngen ausmalt. „Vielleicht gefällt dir nicht, was Max macht“, heißt es in „Nur du“, „aber Max gefällt das schon/Sonst würde Max das ja nicht machen und ich steh hinter jedem Ton.“ – Ich? Ich ist wieder mal ein anderer. Kai Müller

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