Kultur : KURZ & KRITISCH

Ulrich Pollmann

NEUE MUSIK

Wo Klänge

Falten werfen

Play! Besser hätte Martin Suckling sein Stück nicht nennen können, erschöpft es sich doch im pausenlosen Spielen. Suckling ist einer der jungen englischen Komponisten, die der Artist in Residence des DSO, George Benjamin, in der Reihe „Musik der Gegenwart“ im Haus des Rundfunks vorstellt. Das Konzert eröffnet gleichzeitig das 7. Ultraschall-Festival . Vieles an diesem Abend bestätigt sämtliche Vorurteile gegen englische Musik. Da werden fleißig Spielfigürchen übereinander geschachtelt, geschäftig und geschwätzig ziehen sie sich durch das Orchester, bis das Stück genauso unmotiviert endet, wie es begonnen hat. Die Werke wirken weniger unreif als schlicht ideenlos. Spannend wird es nach der Pause. Luke Bedfords „Rode with Darkness“ gelingt die feine Klanglichkeit französischer Provenienz, die die anderen Komponisten vergeblich für sich reklamieren. Bedford exponiert wenige Klänge, lässt ihnen Raum zum Atmen. Langsam geraten sie in Bewegung, werfen Falten, verdichten sich – ausgehend von wenigen Akkorden.Dergestalt geläutert, kann man auch George Benjamins turbulentes Stück „Sudden Time“ genießen. Wie Benjamin den riesigen Orchesterapparat nutzt, die Musiker in präzise kalkulierten Steigerungen zu rhythmischen Höhepunkten führt und dem Publikum das Schlagzeugarsenal um die Ohren haut, das hat Klasse.

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