Kultur : KURZ & KRITISCH

Sybill Mahlke

DISKUSSION

Wir machen

eine Oper

Filmregisseur Volker Schlöndorff inszeniert an der Deutschen Oper „Aus einem Totenhaus“. In der Dresdn er Bank am Pariser Platz erzählt er, dass er zum Film gekommen sei, weil er eigentlich nicht zur Oper wollte: Eine Jugend in Wiesbaden, das verhasste Opernabo, Oper war Mausoleum, dagegen das Kino um die Ecke Verheißung. Später aber, da der Film Musik brauchte, gedachte der Rebell seiner Ansprüche aus der Oper und wandte sich an „Maestro Henze“. Der komponierte zunächst die Filmmusik zum „Jungen Törless“ und sprach ungefähr so: „Ich mache Musik für Ihre Bilder, Sie machen das nächste Mal Bilder zu meiner Musik.“ Also Opernregie!

Nun mag Schlöndorff die Disziplinen nicht mehr trennen, nach dem Film „Der neunte Tag“ sieht er das „Totenhaus“ als Fortsetzung mit anderen Mitteln, inhaltlich verbunden. Janacek steht bei seinen Lieblingsmusikern obenan, und im Gespräch mit Nele Hertling beschreibt er Regie als ein dienendes Genre, Mitfühlen, Beobachten, Neues erfinden. Choreografin Sasha Waltz , die an der Lindenoper „Dido und Aeneas“ von Purcell herausbringt, freut sich über das Feedback der Sänger bei der Arbeit. Sie würde Oper immer aus der Perspektive des Tanzes inszenieren, ist allerdings verwöhnt von Probenbedingungen, die das heutige Repertoiretheater nicht mehr bietet. Da meldet sich Intendantin Kirsten Harms zu Wort, um aus der Praxis die Nöte zwischen Kunst und Quotendruck zu benennen, gestrichene Nachtschichten, Beleuchtungszeiten, Personalmangel. Probebühnen von der Größe der Hauptbühne würden schon sehr hilfreich sein. Aber Harms macht eine Utopie zur Forderung: den Theaterbetieb von früher wieder aufzubauen.

* * *

ARCHITEKTUR

Wertarbeit

ist stets gefragt

660 Meter sollte sich der „TV and Sightseeing Tower“ im chinesischen Guangzhou in den Himmel recken. Damit wird es wohl nichts. Die Berliner Architekten Léon Wohlhage Wernik sind von Konkurrenten aus dem Feld geschlagen worden. Aber auch wenn Christoph Ingenhoven Baustellenfotos seines Wolkenkratzers in Shanghai vorzeigen kann, muss das nicht viel bedeuten. Die Chinesen haben ihn kurzerhand ausgebootet und bauen den Turm selbst, der Düsseldorfer Planverfasser darf nur seinen Namen darunter schreiben. Einfach ist es nicht, im Reich der Mitte erfolgreich zu agieren. Doch es gibt auch Erfolge zu berichten. Gunter Henn baut in Peking eine Art Autostadt Wolfsburg mal zehn, KSP Engel und Zimmermann die neue Nationalbibliothek. Hinreißende Entwürfe allesamt, ebenso wie der Kulturpavillon Gubin und der „Metropol Parasol“ für Sevilla von Jürgen Meyer H. oder Stefan Behnischs „Genzyme Center“ in Cambridge/USA. Behnisch und Barkow/Leibinger sind im übrigen die einzigen, die Arbeiten in den USA zeigen können. Doch sonst überall in der Welt können deutsche Architekten mithalten, nicht nur mit „deutscher Wertarbeit“ – so Kuratorin Kristien Ring –, sondern auch mit international marktgängigem Design, dies die Botschaft der gestern eröffneten, kurzweiligen Architekturausstellung Export, mit der das Deutsche Architekturzentrum ins aktive Leben zurückgekehrt ist (Köpenicker Straße 48/49, bis 1. Mai, Katalog 10 €) . Falk Jaeger

0 Kommentare

Neuester Kommentar