Kultur : KURZ & KRITISCH

Daniel Völzke

POP

Doggfather

kann auch höflich sein

Handys in die Höhe! Das Innovativste, was der Newcomer The Game an diesem Abend zustande bringt, ist diese Aufforderung. Die leuchtenden Displays über den Köpfen der Zuschauer in der ausverkauften Arena sind ein zeitgemäßer Ersatz für die konzertüblichen Feuerzeuge. Ansonsten zollt der Rapper, dessen Debütalbum vor wenigen Wochen überraschend auf Platz Eins der amerikanischen Charts landete, alten Hiphop-Größen Tribut, darunter seinem Förderer Dr.Dre. Dem bewährten Gangstarap hat er jedoch nichts hinzuzufügen. Wohltuend, wenn danach Snoop Dogg über einen heckengesäumten Weg die Bühne betritt und sich mit der unvergleichlich nasalen Stimme als „S-N-double-O-P D-Odouble-gizee“ vorstellt. Snoop trägt zwar einen roten Zuhälterpelz, aber seinen unerträglichen Sexismus stellt er heute nicht aus. Die Frauen spricht er mit „Ladies“ an und erweist sich als charmanter Entertainer. Begleitet von einer Band, zwei Rappern und Tänzern, lässt er mit seinen ersten Hits die frühen Neunziger, die goldene Zeit des Westcoast-Gangstaraps, wieder auferstehen: die P-FunkHymnen, die seltsam verdrehten Reime, die entspannten Downbeats.

Auch das neue Material kann gegenüber dem Repertoire bestehen – dank der Kooperation mit dem Produzentenduo Neptunes, die den merkwürdigen SnoopSound durch minimalistische Beats in eine neue Form bringen. So gelingt es dem Doggfather mit geschickten Breaks, verschleppten Reprisen und Publikums-Chören die Begeisterung bis in die letzte Ecke der Halle zu dirigieren. * * *

KUNST

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Die Schönheit der Geometrie

Quadratisch, praktisch, knapp geben sie auf Flughäfen Auskunft: Piktogramme verweisen auf Notausgang, Frisiersalon oder Herrentoilette und überschreiten dabei jede Sprachgrenze. Her bert W. Kapitzky hat das international gängige System schon Ende der sechziger Jahre entwickelt. Am 24. Februar feiert der Grafikdesigner und emeritierte HdK-Professor seinen 80. Geburtstag. „Die Tradition des Sachlichen“ betitelt die Berliner Kunstbibliothek eine umfassende Würdigung seines Schaffens. Und ergänzt damit die Schau „Ulmer Modelle“ im Kunstgewerbemuseum: Kapitzky war bis zur Schließung der Hochschule für Gestaltung 1968 als Dozent und Fachbereichsleiter dabei (Matthäikirchplatz 6, bis 3.April, Di-Fr 10-18 Uhr, So-So 11-18 Uhr).

Für bundesdeutsche Werbegrafiker gab es viel zu erneuern nach dem Krieg. Dass

Marktwirtschaft und verstärkte Mobilität neue Design-Lösungen verlangten, war wenigen so klar wie dem gebürtigen Danziger. Sein Name stand früh für Funktionalität – und für schnörkellose Klarheit der Entwürfe. In den Fünfzigern und frühen Sechzigern wirkte er in Stuttgart, dem Design-Zentrum jener Jahre. Neben karg-sachlichen Plakaten für die „Stuttgarter Nachrichten“ entstanden elegante Anzeigenserien für Porsche: Die Nobelschlitten werden in Linienrastern wiedergegeben oder von Dreieck-Strukturen überlagert, die wie Pfeile Richtungen angeben – schlichte, aber wirksame Mittel, um Ideen wie Tempo und Dynamik zu transportieren.

Neben Werbung sind Kapitzkys freie Arbeiten aus den achtziger Jahren zu sehen, wie die gemalte Serie „Totem“, in denen er Bildzeichen tanzen lässt, oder eine Variationsreihe über das Pentagramm. Fast wie in einer Bach-Fuge entwickelt Kapitzky aus einer einfachen Figur überraschende Strukturen. Geometrie kann so schön sein. Jens Hinrichsen

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