Kultur : KURZ & KRITISCH

Bernhard Schulz

WELTKULTUR

Spur

der Steine

Erneut bot Berlin mit dem Alten Museum den Schauplatz der Vorstellung des Icomos-Weltreports Denkmäler in Gefahr. Wie in den zurückliegenden Jahren mit der Sprengung der Buddha-Statuen im afghanischen Bamiyan, ist auch bei dieser Ausgabe mit dem verheerenden Seebeben in Südostasien ein brennender Anlass zu verzeichnen. Noch ist das Ausmaß der Schäden nicht bis ins Detail erfasst. Hingegen ist die aus Lehm erbaute Festungsstadt Bam im Südost-Iran, die Ende 2003, genau ein Jahr vor der Tsunami-Riesenwelle, gleichfalls durch ein Erdbeben zerstört wurde, mittlerweile gut dokumentiert; entsprechende Fotografien zieren den Umschlag des diesjährigen Weltreports 2004/05 (K.G.Saur Verlag, München 2005, 78 €). Rund 50 Länderberichte enthält der Report, wobei zu Bamiyan immerhin Fortschritte bei den Sicherungsarbeiten der Buddha-Trümmer zu vermelden sind. Auch über Irak – hier das unter Saddam zerstörte Marschland mit seiner einmaligen Schilfkultur –, über Japan – Vorbeugung gegen Brände nach Erdbeben –, über Spanien und Italien finden sich vertiefende Berichte. Jedoch: „Manchmal ist es nur noch Trauerarbeit“, meinte Michael Petzet, der (deutsche) Präsident von Icomos, des „Internationalen Rates zu Denkmälern und Stätten“. Gewiss – aber aus manchen Berichten sind eben auch Erfolge bei der Erhaltung des gemeinsamen Kulturerbes zu ersehen. Würde die Qualität der Fotografien im Report nur endlich besser – so gut, wie es die just in neuer Ausgabe erschienene Zeitschrift „Icon“ des privaten „World Monument Fund“ vormacht –, der Aufmerksamkeit für die Denkmalpflege wäre viel geholfen.

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KLASSIK

Spur

der Scheine

Viele leere Stuhlreihen trotz ausverkauftem Haus: Die prekäre Lage der Berliner Symphoniker ist für viele Kartenbesitzer nicht Grund genug, den schönen Frühlingssonntag zugunsten eines Nachmittags im Konzerthaus zu opfern. Angesichts zahlreicher Spenden hatten sich die Symphoniker entschlossen, ihrem eigentlich letzten Konzert am 10. April in der Philharmonie noch ein weiteres folgen zu lassen – ohne Bezahlung. Geschäftsführer Andreas Moritz kündigt an, dass es weder Kultursenator Thomas Flierl noch dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit gelingen werde, die Berliner Symphoniker zum Schweigen zu bringen. Lea Rosh und Hansjörg Spiller vom neuen Freundeskreis rufen zu Spenden auf und werden deutlich: „Spendabel bedeutet Scheine.“ Die traurig-sehnsüchtige Orchestersuite „Pelléas et Mélisande“ von Gabriel Fauré, die immer wieder Ausflüge ins Moll unternimmt, passt großartig zur Stimmung (Leitung: Laurent Petitgirard) . Dass das Leben weitergeht, zeigt das Cellokonzert a-moll von Robert Schuman. Solist Henri Demarquette aus Paris liefert eine beeindruckende Performance. Wie ein SM-Meister zwingt er dem Instrument seinen Willen auf. Große Romantik dann in der 4. Symphonie von Johannes Brahms, und zum Schluss stehende Ovationen. Wie geht es weiter? Die Musiker scheinen nicht daran zu denken. Hauptsache spielen. Udo Badelt

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