Kultur : KURZ & KRITISCH

Roman Rhode

POP

Schimmernde

Schicksalsperlen

Manche beschreiben ihre Musik „irgendwo zwischen Calexico und Massive Attack“. Doch Lhasa de Sela , die Tochter eines mexikanisch-amerikanischen Künstlerpaars, lässt sich nicht so leicht einordnen. Ihre Kindheit verbrachte sie in einem Wohnmobil zwischen New York, Mexiko und San Francisco, jetzt lebt sie in Montreal. Chanson, Blues, Folk-Rock? Wenn die 33-Jährige von ihrer inneren Rastlosigkeit singt, vom Wind, der vorantreibt und jegliche Spuren „an den Ufern des Schicksals“ verweht, dann klingt das weltläufig.

Zwar ist Lhasa von anderen Melancholikern des Planeten wie Tom Waits, Bob Dylan, Billie Holiday oder der Fadista Amália Rodrigues beeinflusst, aber die Gewinnerin des BBC World Music Awards 2005 zelebriert ein ganz eigenes musikalisches Nomadentum. Auf der Bühne im ausverkauften Kesselhaus steht sie im schwarzen Kleid, umgeben von ihrer fünfköpfigen Band, und singt den Soundtrack zur Philosophie des tragischen Lebensgefühls, frei von jeglicher Attitüde, ungeschminkt und elementar. Ihre geheimnisvollen, manchmal minimalistisch arrangierten Songs wirken wie kleine unregelmäßigen Perlen mit irisierendem Glanz. Ergriffen lauscht das Publikum den lyrisch-dramatischen Geschichten, die vom Wagnis handeln, von glühender Leidenschaft, Zurückhaltung, flammender Ungeduld oder der Destruktivität der Liebe. Eine wunderbar trotzige Aufbruchstimmung.

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