Kultur : KURZ & KRITISCH

Tobias Schwartz

THEATER

Gepierct

im Ehebett

Auf der begrünten Bühne des Hexenkessel Hoftheaters will man keinen konventionellen Shakespeare geben: Eine theatereigene Komödialpolizei in gelben Regenjacken überprüft das Publikum mit gezielten Personenkontrollen (Haben Sie einen Kalauer dabei?) auf seine Komödientauglichkeit. Ist der deutsche Leithumor gefährdet? Amerikanisierenden Einflüssen wolle man durch garantierte Humorlosigkeit entgegenwirken.

Diesem Anspruch werden die Schauspieler in Viel Lärm um Nichts zum Glück nicht gerecht. Die mit 75 Minuten ebenso kurze wie kurzweilige Inszenierung (Di. bis Sa. jeweils 19.30 Uhr, Monbijoustr. 3, an der Fußgängerbrücke zum Bode-Museum. Telefon: 030/24048650 ) von Jan Zimmermann konzentriert sich unter freiem Himmel auf zwei zentrale Charaktere: den Frauenhasser Benedikt (Michael Schwager) und die männerfeindliche Beatrice (Annegret Geist). Die Wortgefechte wider das andere Geschlecht und vor allem wider die Ehe sind, wo nicht eh schon zeitlos, aktualisiert: „Ehemänner sind der beste Beweis dafür, dass Frauen doch Humor haben.“ Oder: „Gepiercte Männer sind ehetauglich, sie haben bereits Schmerz ertragen und Schmuck gekauft.“

Kostüme und Charleston-Einlagen verlegen die Handlung der Komödie in die zwanziger Jahre, ein mannshoher Eisbär sorgt für die nötige Absurdität am Rande. Shakespeares Komik ist zwar stark modernisiert. Aber Shakespeare bleibt doch Shakespeare.

POP

Texas

im Herzen

Herrenweste überm weißen Trägerhemdchen, ein schwarzes Pennerhütchen, weit in die Stirn gezogen, die Augen versteckt im Schatten, das Profil leicht kantig, steht Michelle Shocked im Zentrum der kleinen Quasimodo -Bühne. Wie geschnitzt. Burschikos. Schüttelt ein paar Hände zur Begrüßung, hängt sich die kleine Martin-Akustikgitarre um: „How To Play The Game“. Wunderbarer Sprechgesang. Alles sei schief gegangen in den letzten Tagen, sagt die Texanerin lachend: Sie ist erkältet, ihre Band ist abgehauen, der Manager auch.

In Galway hat sie vor ein paar Tagen neue Begleiter gefunden. Michelle ist in allen Spielarten der großen amerikanischen Songtraditionen gleichermaßen versiert: Folk, Country, Blues, Jazz, Rock. Und alles liegt in dieser Stimme: die Härte und der Soul. Wärme und Aggression. In alten Songs wie „Anchorage“ und „Strawberry Jam“. Und denen ihrer neuen Veröffentlichung „Threesome“, dem flotten CD-Dreier-Pack. Charmantes Lachen und Geschichten: von einer gescheiterten Ehe. Vom Alkohol. „Möchte jemand was singen? Vielleicht ,Memories Of East Texas?’“ Einer besteigt die Bühne. Der Trompeter legt die Playback-Platte auf, dirigiert den Einsatz. „Musik ist zu wichtig, um sie den Profis zu überlassen!“, sagt sie. Eigentlich hatte sie selber nie vorgehabt, professionelle Musikerin zu werden. Ein Glück, dass sie sich doch noch für die Musik entschieden hat. H.P. Daniels

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