Kultur : KURZ & KRITISCH

Ulrich Clewing

KUNST

Lichtbilder aus

dem Sonnenland

Das Museum für Ostasiatische Kunst in Dahlem war bisher wie die meisten anderen Museen auch in erster Linie den bleibenden Werten der Vergangenheit verpflichtet. Das hat sich nun – zumindest vorübergehend – geändert. Und man muss sagen, das steht dem Museum gut, sehr gut sogar. „ Out of the ordinary/extraordinary “ heißt die Ausstellung, die dort im Moment Station macht und elf zeitgenössische Fotografen aus Japan präsentiert (Lansstraße 8, bis 14.8.). Die Fotografin Chin Yo Mi aus Tokio erzählt in einer ganzen Serie von Bildern die Geschichte ihrer Familie und schafft es, trotz der persönlichen Herangehensweise eine Art Allgemeingültigkeit zu suggerieren. Der typische Japan-Pop ist ebenso vertreten wie Fotos von den Außenseitern der vermeintlich so straff organisierten Gesellschaft, eindringlicher aber sind die Bilder von „Fremden“ (so der Titel der Reihe), die Yokomizo Shizuka aufgenommen hat, indem sie abends von außen in das Innere von Wohnungen fotografierte. Doch der Höhepunkt sind die Arbeiten von Yoneda Tomoko: Die Fotografin hielt ihre Kamera in dem Moment in den Himmel, in dem gerade B-52-Bomber von ihrem Einsatz im Irak zur Homebase in Fairford/England zurückkehrten. Das Turner’sche Licht, die unendliche Weite, die winzigen Silhouetten der Flugzeuge – das alles ergibt eine Kombination, die die Kraft der Ästhetik zum Zerreißen spannt.

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FILM

Apotheose des

Fäkal-Humors

Man erwartet nicht sehr viel von einem Film mit Witzbold Tom Gerhardt als Hauptdarsteller. Im besten Fall ein paar Prollereien, über die man unwillkürlich lacht. Was Gerhardts „ Siegfried “, gedreht vom „7-Zwerge“-Regisseur Sven Unterwaldt, dann allerdings zu bieten hat, übertrifft die schlimmsten Befürchtungen (in 18 Berliner Kinos). Gerhardt hat zusammen mit Herman Weigel ein Drehbuch geschrieben nach dem Motto: Wir nehmen als Aufhänger die Nibelungensage, rülpsen und furzen ein bisschen herum und verkaufen das Ganze dann als Film, „den eigentlich jeder sehen kann: Kinder, Teenager und Erwachsene“. Bereits in der ersten Szene wird ins Gesicht gekotzt. Siegfried, gespielt von Gerhardt, zerlegt mehrfach das eigene Dorf, bevor er sein Lebensziel findet: Er will Kriemhild (Dorkas Kiefer) heiraten. Er hat sie beim Pinkeln im Wald gesehen. Es gibt eine Menge Durcheinander, Geschrei und Klamauk in diesem Film, alles in Gerhardts rheinischem Proll-Dialekt – aber nichts, was man sehen oder hören will. Ein Ärgernis reiht sich an das nächste. Nur die Macher würden lachen, wenn es ihnen tatsächlich gelingen sollte, damit auch noch Geld zu verdienen. Karl Hafner

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