Kultur : KURZ & KRITISCH

Martin Schwickert

FILM

Falsche

Erinnerung

Noch nie hat man Paris im Kino so nass gesehen wie in diesem düsteren französischen Action-Thriller Das Imperium der Wölfe . Selbst Postkartenmotive wie Notre-Dame verwandeln sich im apokalyptischen Kunstregen zur Neo-Noir-Kulisse. Auch die Charaktere scheinen unter der Wucht der Regenmaschinen zu zerfließen. Im Mittelpunkt steht eine Frau, der die Erinnerungen an das eigene Leben davongeschwommen sind. Mao, JFK, Che Guevara – alle Bilder, die Anna (Arly Jover) beim neurologischen Test vorgeführt werden, kann sie mühelos zuordnen. Nur den Mann, mit dem sie seit acht Jahren verheiratet ist, erkennt sie nicht wieder. Irgendwann kommt sie dahinter, dass das schöne Gesicht, mit dem sie heute herumläuft, nicht ihr eigenes ist. In einem parallelen Erzählstrang ermitteln der junge Kommissar Paul Nerteaux (Jocelyn Quivrin) und der aus der Suspension reaktivierte Alt-Cop Jean Louis Schiffer (Jean Reno) gegen einen Serienmörder, der in der türkischen Community sein rituelles Unwesen treibt.

Beide Spuren führen zu dem rechtsextremen türkischen Geheimbund der „Grauen Wölfe“, deren Drogengeschäfte den Film wiederum zu einem Showdown in einer anatolischen Berghöhlenlandschaft geleiten. Wie schon in „Die purpurnen Flüsse“, ebenfalls nach einem Bestseller von Jean-Christophe Grangé, fließen auch hier politische Verschwörungsszenarien und ein blutrünstiger Serienkiller-Plot ineinander. Die losen Ende der Geschichte sind etwas krude verdrahtet, doch Regisseur Chris Nahon („Kiss of the Dragon“) hat ein sicheres Gespür für den fiebrigen Rhythmus der Erzählung. Jean Reno variiert zum x-ten Mal die Figur des undurchsichtigen Cops – und ringt ihr noch einmal neue Facetten ab. Verglichen mit deutschen Nachahmungstätern wie Christian Alvarts „Antikörper“, fällt Nahons Versuch, in einem von Hollywood besetzten Genre Fuß zu fassen, deutlich überzeugender aus (in acht Berliner Kinocentern) .

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COMEDY

Versuchte

Nähe

Missverständnisse zwischen Männern und Frauen sind so alt wie das Leben selbst. Der Stand-up-Comedian Mario Barth versucht sich in den Wühlmäusen als Frauenversteher und bietet in seinem Programm „Männer sind Schweine – Frauen aber auch“ Übersetzungshilfen (mittlerweile auch als Buch ein Bestseller) für eine unkompliziertere Art des Zusammenlebens. Das Hauptproblem bricht er dabei auf eine einfache Formel herunter: Männer sind simpel und vor allem an der Befriedigung von Primärbedürfnissen interessiert – und weil Frauen mehr wollen, wird es kompliziert. Der in Kreuzberg aufgewachsene Comedian macht das im Stil der alten West-Berliner Schule. Ohne Angst vor Nähe und Nahkampf erinnert er an einen dieser Kumpeltypen, dem man irgendwo auf einer Party begegnet, der sich selbst inszeniert und mit seinen Anekdoten den ganzen Abend schmeißt – nicht zuletzt zu seinem eigenen Vergnügen. Ein charmanter Chauvi, ein Clown durch und durch, von jeglicher Subtilität weit entfernt. Lustig wird das Ganzedadurch, dassBarths Figuren einem ebenfalls wie Bekannte erscheinen. Das liegt zum einen an der guten Beobachtungsgabe, zum anderen daran, dass Barth mit dieser Masche seit mittlerweile vier Jahren durch Deutschland und die TV-Shows tingelt. Sein Programm ist so langlebig wie kurzweilig (noch heute und morgen, sowie vom 1.-4.9., alle Vorstellungen ausverkauft) . Richard Kropf

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