Kultur : KURZ & KRITISCH

Ulrich Pollmann

KLASSIK

Mozarts

Nachfolger

Na wunderbar, die Lachenmann-Woche im Konzerthaus beginnt mit Mozart! Warum gleich so populistisch? Doch halt, auf die Bühne tritt der Meister selbst, Helmut Lachenmann , der zum 70. Geburtstag in Berlin mit einer Werkschau geehrt wird. Lachenmann ist nicht nur einer der einflussreichsten Komponisten der Gegenwart, er ist auch ein brillanter Dialektiker. Man darf also gespannt sein, wie er sich zu Mozart in Beziehung setzt, gehört es doch zu den Königstugenden zeitgenössischer Komponisten, sich als Nachfolger alter Meister zu inszenieren.

Doch Lachenmann enttäuscht. Freimütig räumt er ein, mit Mozart wenig zu tun zu haben. Immerhin sei dieser ein Wegbereiter des allein der Kunst verpflichteten Komponisten gewesen. Wer einmal Wolfgang Rihms Elogen auf die Freiheit des Künstlers gehört hat, wird Lachenmanns Ausführungen mutlos finden. Das passt zum Abend, denn das Tokioter Lotus Quartett intoniert Mozart ohne Witz und mit mediokrem Klang. Lachenmanns zweites Streichquartett „Reigen seliger Geister“ liegt ihm hörbar besser. Aber die Lachenmann-Woche ist ja noch nicht zu Ende. (Weitere Konzerte unter www.konzerthaus.de)

COMEDY

Schwiegermamas

Liebling

Sieben Jahre lang tingelte Kurt Krömer ungestört als Komiker durch die Berliner Kleinkunstszene. Bis er 2000 die ersten Preise gewann und schließlich durch die Kurt-Krömer-TV-Show bundesweit bekannt wurde – und mit ihm der spezielle Charme des gemeinen Neuköllners. Sein Programm Kröm de la Kröm spielt Krömer, irreführenderweise mit dem Gesicht von Schwiegermamas Liebling ausgestattet, in den Berliner Wühlmäusen auf einer vollgerümpelten Bühne. Die beiden Leitern und das Bügelbrett scheinen dabei ebenso überflüssig wie die Ledercouch mit den beiden aus dem Publikum gewählten Sidekicks, die grundlos beschimpft werden.

So ist Krömers Hermannplatz: Ein Hort für Wendungen wie „Ach du grüne Neune“, ein patziges „Pass auf, mein Freund“, für Menschen mit einem Hang zu grammatikalischen Experimenten. In seiner perfekt ausgefüllten Rolle als Neuköllner liefert Krömer unschlagbare Argumente für die Berliner Freundlichkeitsoffensive zur Fußball-WM im nächsten Jahr. Nach zwei Stunden Anarchie mit Kassenbrille heißt es „Tschüssikowski“ und „Bisdannemannski“ (noch einmal am 30. und 31.Oktober). Richard Kropf

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