Kultur : KURZ & KRITISCH

Sybill Mahlke

KLASSIK

Feuer im Venusberg

Es gehört zu den Geheimnissen des Musikbetriebs, dass ein grandioser Dirigent wie Sir Charles Mackerras erst 2004 sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern gegeben hat. Im November wird der Brite australischer Herkunft 80. Mit leichtem Schritt betritt er nun wiederum die Philharmonie , um Musik zu dirigieren, die neben den Stromlinien des Konzertlebens existiert. Das Orchester hat ein eigenes Gespür für die Besonderheit solcher Begegnung, es spielt in brillanter Besetzung und mit äußerst motivierter Aufmerksamkeit. Von Wagner erklingt das „Tannhäuser“-Bacchanal der Pariser/Wiener Fassung, die an den Opernhäusern seltener geworden ist. Hier triumphiert die Tristanerfahrung der Harmonik. Und mit einer ganz eigenartigen Mischung aus Sachlichkeit und Feuer beschwört der Maestro die Fantasie über die Leidenschaften des Venusbergs. Für die tschechische Musik in England hat Mackerras Pionierarbeit geleistet. Bei Dvorák entfaltet er auf böhmischem Tanzboden modernen Folklore-Esprit. Seit Simon Rattle Chef der Philharmoniker ist, gewinnt englische Musik in Berlin an Boden. Naturgemäß auch in diesem Programm. Aus repetitiven Motiven bei Frederick Delius wird stimmungshafte Melodik. Heiterer Ernst tönt aus den „Enigma Variations“ von Edward Elgar mit ihren Porträts: Andantino für die Bratschenschülerin und Adagio für den besten Freund, Inselmusik. Man sieht, wie Mackerras Verantwortung des Musizierens mit einer stillvergnügten Freude vereint.

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