Kultur : KURZ & KRITISCH

Volker Lüke

ROCK

Gib Gas,

ich will Spaß!

Das Image ist bekannt: Der Black Rebel Motorcycle Club steht auf Motorräder und schwarze Klamotten. Benannt nach der Rockergang aus dem Film „The Wild One“ mit Marlon Brando, wurde das Trio aus San Francisco vor vier Jahren als Retter des Rock’n’Roll gefeiert. Das aktuelle Album „Howl“ zeigt eine andere Seite: keine dröhnenden Gitarren, sondern akustische Klänge. Musik für den Tankstopp. Auch beim Auftritt im Postbahnhof geht es gemächlich los: mit Sänger Peter Hayes allein an Akustikgitarre und Mundharmonika. Dann kommen die Mitstreiter, um im Auspuffnebel kontinuierlich einen Gang höher zu schalten, bis zur Erkennungshymne „Whatever Happend To My Rock’n’Roll?“ als erstem Höhepunkt. Der Saft von den Stooges und Velvet Underground quillt aus allen Ecken. Eine stürmische Version von „Heart & Soul“ als letzte Zugabe versinkt im selig machenden Feedbackgetöse und rettet die Gitarre als erhabene Lärmmaschine. Dies ist kein gottverdammter Gniedel-Rock, dies ist ein Trip ins Schwarze: into Rock’n’Roll.

* * *

KLASSIK

Spiel mit mir,

ich will dich hören!

Stars der Kammermusik – eigentlich ein Widerspruch. Aber in dem Violinisten Frank Peter Zimmermann , dem Cellisten Heinrich Schiff und dem Pianisten Chris - tian Zacharias hat sich ein Trio zusammengefunden, dessen Musizieren die paradoxe Huldigung zulässt. Denn es ist ein Ensemble, das höchst Artifizielles mit partnerschaftlicher Intimität verbindet. Wer den beiden Klaviertrios B-Dur und Es-Dur von Franz Schubert eine gewisse Langatmigkeit vorwirft (in älteren Aufführungen waren deshalb Striche gebräuchlich), der nehme diese Interpretationen wahr: Die Musik spiegelt die Wechselwirkung von Leben und Kunst, wie Schubert sie praktiziert hat, die Besetzung strebt nach Gemeinsamkeit, die Hören und Reagieren einschließt. Es ist ein besonderer Kammermusikcharakter bei Schubert, eine Haltung der Freundschaft, die hier zum Ausdruck kommt.

So gedacht und so gespielt können die Stücke gar nicht lang genug sein. In der Individualisierung der Stimmen wird jedem das Wort erteilt, und die Spannung besteht darin, wie er es ergreift: Führend der Cellist, antwortend der Geiger und alles umfassend der Pianist. Wie viel Mozart liegt noch in der Wiener Luft des späten Schubert, wie viel Sehnsucht und Erregung in den Stimmungswechseln, wie viel Papageno, wie viel gefrorene Tränen. Das erzählen sie dem Publikum im Kammer musiksaal , drei Solisten, eine glänzende Kombination. Sybill Mahlke

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