Kultur : KURZ & KRITISCH

Christoph Funke

THEATER

Später Zauber

für junge Träumer

Ein Märchenspiel von August Strindberg über die Allmacht der Liebe, die alles durchdringt. Aber, weil die Geschichte von Schwanenweiß und ihrem Prinzen, von der hexischen Schwiegermutter und dem bärbeißig dümmlichen Herzog eben von Strindberg ist, kommt sie nicht geradlinig daher, sondern mit allerlei Verhaltungen, Zwischenfällen, Vertrauenseinbrüchen, mit Sturm und Krieg und Todesgefahr. Sascha Bunge setzt im Theater an der Parkaue allerdings nicht auf den poetischen Zauber und die romantischen Höhenflüge der Vorlage – er erzählt für Kinder ab elf Jahren eine Geschichte von heute (wieder heute und morgen, 18 Uhr, 13. bis 16. Dezember, 10 Uhr). Sachlich geht es zu, fast nüchtern, und wenn die Tapetentüren an der Seite und der geheimnisvoll verschließbare Durchgang im Hintergrund nicht wären (Ausstattung Angelika Wedde), fiele der Zauber ganz aus. Denn das Tisch-und-Stühle-Arrangement, vielfach hin- und hergetragen, erinnert an eine bessere Betriebskantine.

Der Herzog, scheint’s, ist arm, er braucht die reiche Heirat des Schwanenweiß-Töchterleins, wie das Kinder- und Jugendtheater wohl auch. Aber es kommt weder zur prunkvollen noch zur armen Hochzeit – Bunge lässt das Liebespaar nach allen Abenteuern und der Wiedererweckung des Prinzen einfach weggehen. So toll ist das mit der Liebe auch wieder nicht, man bleibt cool. Corinna Mühle spielt die Prinzessin mit vorsichtigem Charme und kindlicher Gelenkigkeit. Niels Heusers Prinz tut sich schwerer, aber er macht anschaulich, wie vertrackt kompliziert es ist, sich zurechtzufinden zwischen lauernder Gefahr und der Überraschung durch ein unvermutet hereinbrechendes, noch unbekanntes Gefühl.

KLASSIK

Später Schubert

mit jungen Musikern

Wenn ein Komponist mit 31 Jahren stirbt, bleibt ihm keine Zeit für einen spezifischen Altersstil. Franz Schuberts großes Streichquintett C-Dur gehört zu den Werken aus dem Todesjahr 1828 und wurde, wie er damals im Herbst des Jahres und des Lebens an seinen Verleger schrieb, „dieser Tage erst probirt“. Ein Meisterwerk ohnegleichen. Dennoch will der Begriff „frühvollendet“ zu der Vitalität der Musik nicht passen. In der Reihe der Spect rum Concerts war nun eine aufregende Interpretation zu hören. Sie offenbart, wie viel Jugend in dem späten Schubert lebt. So klingt der leidenschaftliche f-Moll-Teil, der fortissimo in das himmlische E-Dur des Adagios einfällt, wie ein Aufbruch in neue Welten, so wollen die sinfonischen Längen gar nicht aufhören zu verweilen. In den Stürmen ist Auflehnung zu hören.

Die Musiker, die den Kam mermusiksaal mit diesem jungen Spätstil erobern, sind fast alle unter dreißig. Impresario Frank Dodge steht dafür ein, dass sie eine künstlerische Familie bilden, obwohl sie aus den verschiedensten Ländern stammen: In diesem Fall Janine Jansen (Niederlande) und ebenbürtig Julia-Maria Kretz (Deutschland) an den Violinen, der Bratschist Maxim Rysanov aus der Ukraine als sensibler Mittler zwischen den hohen und tiefen Regionen, Christian Poltéra (Schweiz) und Torleif Thedéen (Schweden) an den Celli, die den grundierenden Melodiesegen austeilen.

Da das Ensemble fähig ist, kaleidoskopartig die Besetzungen zu wechseln, ergibt sich mit Zemlinsky, Schubert und Dvorák ein feiner Streichergruß aus Wien. Das Publikum – darunter Banker John C. Kornblum als Chef des Förderkreises – entspricht dem Geist des Konzerts: Es ist polyglott-familiär. Sybill Mahlke

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