Kultur : KURZ & KRITISCH

Michael Zajonz

KUNST

Klüger

planen

Die Restaurierung von Baudenkmälern ähnelt zwischenmenschlichen Beziehungen: Je offener man über Probleme redet, desto größer die Chance, dass es klappt. Schinkels Altes Museum am Lustgarten profitiert von solch glücklicher Verbindung. 1997 erhielten die Münchner Architekten Hilmer & Sattler und Albrecht den Planungsauftrag für das Haus, das als letztes der Insel-Museen, nach 2010, generalsaniert werden soll. Seit sechs Jahren erforscht eine Projektgruppe des TU-Instituts für Baugeschichte, Architekturtheorie und Denkmalpflege den Bau – nicht nur in Archiven, sondern vor Ort. Architekt Christoph Sattler und TU-Professorin Dorothée Sack stellten nun in der Vortragsreihe Inselperspektiven den Planungsstand vor. Liebe auf den zweiten Blick, zu der sich Sattler vorbehaltlos bekennt: „Unsere Planungen erlangten erst durch die Bauforschung echte Seriosität.“ Gründliche Kenntnisse darüber, welcher Kubikmeter Altes Museum aus welcher Zeit stammt, führten nun dazu, den Anschluss zur Archäologischen Promenade oder die neuen Treppenhäuser so substanzschonend wie möglich einzufädeln. Feinstarbeit, die der künftige Hausherr Andreas Scholl, Direktor der Antikensammlung, gern auch beim Pergamonmuseum sähe. Dort sollen neue Treppenhäuser wesentlich ruppiger in den historischen Bau eingreifen. Nicht überall auf der Insel hängt der Haussegen gerade.

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KLASSIK

Klarer

tönen

Tschaikowskys Fünfte donnert dem überraschend glücklichen Ende entgegen. Der Publikumsjubel nimmt die Tonstärke der Schlussakkorde an. Seltsam, wie sich das Leitthema des e-Moll-Werkes verwandelt. „Völlige Ergebung in das Schicksal“ lautete das Programm des Komponisten. Der dramatische Ablauf will, dass das Dunkel sich lichtet. Der Dirigent aber muss aus dem Geist des Leitthemas handeln. Daniel Barenboim gehört nicht zu denen, die Tschaikowsky Aufdringlichkeit vorwerfen. Er glaubt an den Schicksalsruf der Sinfonie. Die Berliner Philha rmo niker folgen ihm mit vollem Rohr. Dolce aber lädt das Horn zum Andante ein, ebenso antworten Klarinette und Oboe in Spitzenbesetzung. Barenboim echauffiert sich, weil die Musik sich echauffiert. In seiner „Psalmensinfonie“ unterwandert Strawinsky die Monumentalisierung „unseres großen“ Tschaikowsky. Bei ihm sollen der Kontrapunkt, die stakkierten Achtel des „Laudate Dominum“ so durchsichtig wie strukturbewusst klingen. Der Klarheit wegen wünschte der Komponist sich Knabenstimmen. Mit dem Rundfunkchor macht Barenboim aus der archaischen Moderne eine sanfte Motette. Gleiche Pauschalisierung geht bei Webern nicht. Denn im Konzert Opus 24 musizieren nur neun Philharmoniker, und Barenboim liebt die Wiener Schule. Sybill Mahlke

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ARCHITEKTUR

Schöner

lernen

Mit Armand Grüntuch und Almut Ernst zeichnen 2006 erneut zwei Berliner für die Gestaltung des Deutschen Pavillons der Architekturbiennale in Venedig verantwortlich, die 2006 unter dem Motto „Meta-City“ steht. In ihrem Beitrag wollen sich Grüntuch und Ernst anhand aktueller Beispiele von Umnutzungen, Lücken- und Brückengebäuden der „spannungsreichen Verdichtung bestehender Stadträume“ widmen. Damit folgen sie den Berliner Kuratorinnen Francesca Ferguson und Hilde Léon nach, die die vergangenen beiden deutschen Biennale-Beiträge gestaltet hatten. Mit „Next“ hatte Professorin Léon der kommenden Architektengeneration ein Forum geboten. Auch ihre aktuelle Ausstellung stellt studentische Entwürfe vor – für ein neues Schulgebäude des Grauen Klosters in Mitte (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Behrenstraße 42, bis 19. Dezember). Ein Förderverein will den alten Standort neben der Ruine der Franziskanerkirche wiederbeleben. Grundlage sind Pläne aus dem Hause Stimmann – zurück zur kleinteiligen Stadtstruktur rund ums Stadthaus. Die besten der acht Arbeiten kennzeichnet der souveräne Umgang mit diesem retrospektiven Städtebau, mit kunstvoll gestaffelten Baukuben gegen das Blockrand-Einerlei. Jürgen Tietz

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