Kultur : KURZ & KRITISCH

Christoph Funke

THEATER

Einsame

im Wartestand

Vom Leben will sie etwas haben. Und von den Männern. Mechthild Huschke, Heldin des Monologs Nichts Schöneres von Oliver Bukowski, bekennt sich zu diesem Hunger nach Abenteuer und Erotik. Aber, und darin liegt das Irritierende, sie erzählt nicht uneigennützig, und auch nicht nur ehrlich. Dass sie Dieter, den Säufer, vor Jahren durch den Häcksler jagte und dafür in Gefängnis und Heilanstalt kam: Grund genug für biografische Nachbesserung. Nun hat sie einen Dichter, nun könnte die große Liebe mit Brautkleid und Hochzeitsglocken wahr werden – wenn der Schöngeist denn wirklich zur Tür des Plattenbaus hereinkäme. Im Theater unterm Dach entdeckt Marie Gruber unter Regie von Heike Jonca Mechthilds berstende Sinnlichkeit. Sie lotet aus, in Barfußgängen durchs Zimmer, wie ein Leben erfunden, gestaltet, gesteigert werden kann. Zeigt die Momente, in denen die Heldin alles weiß über die Armseligkeit ihrer Existenz, und die tapferen, fröhlichen, kraftvollen Anläufe, aus der Einsamkeit herauszukommen – mit allem, was wacher Geist und liebesbereiter Körper hergeben (wieder heute und vom 9. bis 12. Februar).

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ROCK

Rebellen

in den Jahren

Da sind sie wieder, die Jungs in den coolen Anzügen, mit den messerscharfen Gitarren. Rattern los und sehen sich immer noch zum Verwechseln ähnlich. Wie die Glitzerzwillinge von damals, in den Achtzigern, als sie das Zeug hatten zu großen Stars: Talent, Songs, Stimmen, Energie und Leidenschaft. Klamotten, Stil, und eine Band mit knalligem Namen. The Smash. Vielleicht hat nur das Quentchen Glück gefehlt, die wunderbaren Smash aus Berlin haben sich irgendwann aufgelöst. „Tu-nah-heit“ singen sie heute wieder im Quasimodo , die beiden Jungs, die keine Jungs mehr sind. Flo Flori, den sie jetzt Doc Flo nennen, ist inzwischen Arzt geworden. Und schwenkt die Hüften etwas solider als Ralf Leeman, sein Bruder im Geiste von Mod, Townshend und Weller. Leeman versteht immer noch eine Menge von der feinen Mischung aus Rebellenlärm und wunderbaren Melodien. Und wie vor 20 Jahren fragt man sich, wie der große Smash-Hit heißt. „Skinny Rebel“? „Scary Rebel“? Auch heute noch einer ihrer besten Songs. Nach der Pause werden aus The Smash die Smashtones mit akustischen Instrumenten: Banjo, Gitarren, Rührbesen. Zurückverwandelt in The Smash werden sie elektrisierender und immer besser. Der erste Song, den Leeman 1984 geschrieben hat, „One In The Crowd“, ist immer noch so gut wie damals. H.P. Daniels

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