Kultur : KURZ & KRITISCH

Ulrich Pollmann

KLASSIK

Cimbalon

für ein Geburtstagskind

Lebende Komponisten müssen sich gemeinhin mit weniger opulenten Geburtstagsehrungen zufrieden geben als ihre toten Kollegen. Dem Ungarn György Kurtág, der am 19. Februar 80 Jahre alt wird, überreichte die Akademie der Künste in einer gut besuchten Sonntagsmatinée nun – in Abwesenheit des Künstlers – einen kleinen, aber feinen Geburtstagsgruß. Neben eigenen Werken besteht dieser aus Stücken, die in einer mehr oder weniger engen Beziehung zu dem Gratulanten stehen. Es spielt das Echo Ensemble , eines der Ausbildungsorchester der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“, wobei der Begriff Ensemble etwas hoch gegriffen ist, denn mehr als zwei Musiker betreten die Bühne an diesem Morgen nie gleichzeitig. Das ist sehr in György Kurtágs Sinn, der sich in der Nachfolge Anton Weberns als Meister der kleinen Form begreift.

Seine sechs Stücke für Cello, fast atemlos kurze Energieballungen, wechseln mit den selten zu hörenden „Douze Notations“ von Pierre Boulez und der frühen Cellosonate Ligetis. Schön werden hier die Pole deutlich, zwischen denen sich der eigenbrötlerische Kurtág mit fabelhafter Unbeirrbarkeit bewegt. Einerseits huldigt er der strengen abstrakten Konstruktion, anderseits integriert er in der Tradition Bartóks das folkloristische Erbe seines Heimatlandes. Ein ungarisches Cimbalon, eine Art Hackbrett, ist dann auch der Star des Konzerts, Luigi Gaggero führt es auf höchst farbige Art vor. Am Ende dann: Hans Werner Henzes Viola-Sonate von 1979, ein ungewöhnlich reiches Kammermusikwerk, das das nächste Geburtstagskind ankündigt. Henze nämlich wird am 1. Juli auch 80 Jahre alt.

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AUSSTELLUNG

Künstler

im Urlaub

Der Expressionist Erich Heckel (1883 – 1970) reiste sommers gerne an die Flensburger Förde. Nun holt das Berliner Brückemuseum seine dort in den Vierzigerjahren entstandene Malerei ans Licht. Gezeigt wird die Ausstellung Erich Heckel an der Ostsee mit Werken, die er dort zwischen 1913 und 1949 schuf (Bussardsteig 9, bis 17. 4.; Mi – Mo 11 – 17 Uhr. Katalog 19 Euro).

Mit Heckel at his best beginnt die Chronologie der Sommerfrische. Das Entree versammelt gewohnt hektisch Erregtes, dazu eine Vielfalt der Techniken. Neben Malerei sind es Holzschnitte, Zeichnungen, aber auch zwei kleinere Holzskulpturen. Eine „Badende“ bedeckt verschämt den Mund, die andere neigt kokett den Kopf (beide von 1913). Hochexpressiv das Ölbild „Hafen von Flensburg“ (1913), während die „Landschaft am Meer“ (1922) schon gemäßigte, idealisierte Züge trägt mit ihrem gerundeten Horizont, dem spiegelglatten Wasser und den „italienisch“ anmutenden, warmgrünen Hügelschwüngen im Vordergrund.

Der Rest und damit das Gros der Ausstellung wirkt allerdings ermüdend: gemalte Dorfstraßen, öde Wiesen, Meerblicke – Variationen des Immergleichen. Keine Grafiken mehr, dafür viel Aquarelltechnik, die Heckel nicht besonders lag, wie eine Serie von Kliffszenen mit Frauenakten zeigt, die sich gefährlich an der Kitschkante bewegt. Unterm Strich eine enttäuschende Ausstellung – mit viel Marginalem. Schade um den schönen Urlaub. Jens Hinrichsen

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