Kultur : KURZ & KRITISCH

Konstantin J. Sakkas

KUNST

Deutung

hilft

Wer Grenzgänge unternimmt, will Grenzen überschreiten. Die Ausstellung, die unter diesem Namen im Instituto Cervantes (Rosenstr. 18, bis 3. März) stattfindet, ignoriert dabei allerdings eine wesentliche Bedingung: nämlich die Grenzen erst einmal zu zeigen, die überschritten werden sollen. Die Schau versammelt Arbeiten von 24 zeitgenössischen Künstlern aus der Sammlung des Museums für iberoamerikanische Kunst MEIAC in Badajoz/Spanien: Audiovisuelle Installationen haben hier gleichermaßen ihren Platz wie Fotos oder Gemälde. Dazu gehören zwei Aufnahmen von Gabriel Orozco, „Wet watch“ und „Broken Sidewalk“, oder die Videoperformance „Wie ein Bild entsteht“ von Oscar Munoz: Auf fünf Bildschirmen sieht man, wie ein Gesichtsporträt zustande kommt, von den ersten Konturen bis zum Schraffieren von Haar und Augenbrauen. Dicht daneben: die Tonbildinstallation „La passion de Jeanne d’Arc“ von Jorge Macchi. Da steht der Besucher vor einem schwarzen Bildschirm, über den Textpassagen laufen, die – auf Französisch – den Prozess gegen Johanna von Orléans dialogisch wiedergeben, indes ohne Quellenangabe; aus dem Off rieselt dazu klimpernde Klaviermusik, wie man sie aus Stummfilmen kennt. Was alldem gemeinsam sein soll, wird allerdings nicht klar – außer eben, dass es sich um lateinamerikanische Gegenwartskunst handelt. Mit der Deutung des Gesehenen und Gehörten wird der Besucher allein gelassen – mehr, als den Ausstellern lieb sein dürfte.

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ARCHITEKTUR

Für das

Theater

Die „behutsame Stadterneuerung“ Berlins im Rahmen der IBA der achtziger Jahre ist untrennbar mit Hardt-Waltherr Hämer verbunden. Bewahren statt abreißen, lautete das unverändert aktuelle Motto. Doch Hämer schrieb auch mit seinen Theaterbauten deutsche Architekturgeschichte. Ihnen widmet sich eine Ausstellung in der Universität der Künste (Foyer im Einsteinufer 43–53, bis 12. März, Katalog 12 €). Zahlreiche originale Skizzen, Pläne und Fotografien zeichnen dabei ein eindrucksvolles Bild von Hämers Entwürfen und Bauten. Mit der Ausstellung stellt das „Archiv Hardt-Waltherr Hämer“ erstmals einen Teil seiner Bestände vor.

Hämers Auftakt für diese Bauaufgabe stellte das „Nationaltheater Mannheim“ dar, das er 1952/57 noch im Büro von Gerhard Weber verantwortete. Mit dem Stadttheater Ingolstadt folgte 1959/66 der erste eigene Theater: ein noch heute atemberaubend kühnes Sichtbetongebäude, das sich bei aller Modernität klug dem kleinteiligen städtischen Raum einfügt. Organisch gestaffelt, bietet es Platz für zwei Veranstaltungsräume. Ganz zu Recht zählt es inzwischen zu den jüngsten Baudenkmalen Bayerns. Es folgten die Stadthalle Paderborn (1971/81), die sich wie eine Stadtkrone empor schichtet, sowie die Erweiterung des Hessischen Stadttheaters Wiesbaden (1976/78) – eine gebaute Schadensbegrenzung, sollten an ihrer Stelle doch zunächst Hochhäuser den historistischen Kernbau bedrängen. Jürgen Tietz

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