Kultur : KURZ & KRITISCH

Christiane Tewinkel

KLASSIK

Genuss

in Variationen

Wer bei Mozarts Klaviermusik an zarte Anschlagskultur denkt, an niedliche, überstilisierte Phrasen, ist mit dem Klavierduo Yaara Tal & Andreas Groethuysen im Konzerthaus schlecht bedient. Und auch wieder gut. Denn Tal und Groethuysen, die nun ihren zweiten von drei Berliner Mozart-Abenden bestreiten, spielen mit natürlichem, leuchtend klaren Anschlag. Sie tauschen weder verschwörerische Blicke von Flügel zu Flügel noch inszenieren sie sich als bizarre Charaktergegensätze. Ihr Garant für Lebendigkeit ist Ruhe: Auftreten, anfangen, alles nach Noten. Beherzt greifen sie derweil in die Tasten, scheuen – wie im Larghetto und Allegro für zwei Klaviere Es-Dur – auch keine schrillen Repetitionen und verlangen ansonsten nichts, als diese Musik zu genießen: die acht Variationen über das launige Lied „Ein Weib ist das herrlichste Ding auf der Welt“, von Mozart für eine Klavier spielende Person vorgesehen, von Josef Rheinberger für zwei Pianisten hochgehübscht. Oder die Sonata facile, die Edvard Grieg mit doppeltem Klangboden und angejazzten Schlussformeln versehen hat. Bis auf die virtuose Sonate für zwei Klaviere KV 448, die Mozart seinerzeit mit seiner Schülerin Josepha Aurnhammer aufführte, sind es Transkriptionen, die das Duo spielt, Stücke also, die zwischen Kunst und Unterhaltung angesiedelt sind, und denen man lauschen kann, ohne angestrengt zuhören zu müssen (nochmals am 14. März).

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KUNST

Elegie

in Eisgrau

Was bedeutet es, wenn Fledermäuse, Hirsche und grüner Bambus auf einer japanischen Bildrolle vereint sind? „Glück, Wohlstand und ein langes Leben“ – so auch der Titel der Malerei von Watanabe Kazan (1793 – 1841). Pinselsprache und Komposition lassen chinesische Einflüsse erkennen, Merkmale der so genannten „Literatenmalerei“ – sinophil, präzise, idealistisch. Das Museum für Ostasiatische Kunst präsentiert bedeutende Werke der Gattung unter dem Titel „Landschaften, Pflanzen, Gelehrte“ (Lansstr. 8, bis 28. Mai). Anders als jene chinesischen Gelehrten, die nur zum Vergnügen malten, waren ihre japanischen Verehrer und Nachfolger Berufskünstler. Die Ausstellung präsentiert die Zeit der „bunjinga“ (Literatenmalerei) in Japan, die vom 18. bis ins 20. Jahrhundert reichte, in ihrer ganzen Vielfalt. Das vielleicht anrührendste Exponat ist ein verschneiter Baum von Hayami Gyoshu (1894 – 1935): weich der Schnee, schmerzhaft spitzig die Zweige – eine auf Seide gemalte Elegie in Schwarz, Weiß und Eisgrau. Jens Hinrichsen

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ARCHITEKTUR

Erfolg

im Umbau

Dem viel beschworenen Aspekt der Nachhaltigkeit von Architektur widmet sich die BDA-Galerie an zehn Beispielen (Mommsenstraße 64, bis 6. April). Auf der Suche nach zukunftsfähiger Architektur steht zum Auftakt einer Ausstellungsserie die Frage nach dem Kontext im Vordergrund. So haben Arnke und Häntsch für das Amtsgericht in Brandenburg die Gebäudestruktur einer Kasernenanlage aufgenommen. Restaurierung, Umbau und Neubau sind auch die drei Aspekte, derer sich Augustin und Frank bei ihrer „Werkstatt der Industriekultur“ in Göttelborn bedienen. Durch ihre bauliche Intervention erhält die 2001 stillgelegte Steinkohlengrube im Saarland ein neues Veranstaltungszentrum samt Gästehaus, die künftig als architektonische Visitenkarte dienen. Geradezu spektakulär in seinem unspektakulären Duktus ist das Holzhaus, mit dem Nägeli Architekten in Frohnau ein Einfamilienhaus aus den zwanziger Jahren ergänzt haben. Derart erfolgreich beim Bauen im Bestand zu bestehen, bedeutet für die meisten Architekten allerdings noch immer eine nachhaltige Herausforderung. Jürgen Tietz

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