Kultur : KURZ & KRITISCH

Volker Lüke

ROCK

Immer schön

langsam

Laut zu sein, ist eine Sache. Laut und langsam, eine andere. So dröhnt einen Tag nach Aschermittwoch aus der Volksbühne eine Musik, die jeden Anflug von Gemütlichkeit durch sämige Langsamkeit auslöscht und die ihre Breitenwirkung erst allmählich entfaltet: Doom-Metal. Mitbegründet wurde diese schwärzeste, aber auch kunstvollste aller Heavy-Metal-Versionen von Earth aus Seattle, die sich mit Black-Sabbath-Riffs in Zeitlupe großen Respekt verdienten und sich nun nach längerer Pause im Cowboyhemd zurückmelden. Der Sound wird wie üblich ins Horizontale gestreckt – mit Schlepp-Schlagzeug, Bariton-Gitarre und etwas überraschend einer Posaune. Wie Blei fließt das Blut durch diese Musik. In den Vorhof der Hölle geraten wir aber erst bei Sunn o))) , die den Saal komplett mit Nebel fluten, bevor sie in Mönchskutten auf die Bühne kommen, um vor einer riesigen Boxenwand mit bulligen Rückkopplungen dem Gott des Donners zu huldigen – drei Gitarristen im lähmenden Treibsand: tiefer, immer tiefer und ganz, gaaaanz langsam. Dahinein lässt sich Gastsänger Malefiz im Rollstuhl auf die Bühne schieben, um mit dämonischen Schreien zu verzücken. Das alles kaugummiartig in die Länge gezogen, bis auch die Abgebrühtesten in den Wellen des Lärms ermatten. Aber grandios.

* * *

KLASSIK

Eine haarige

Angelegenheit

Wenn er Saint-Saëns spielen müsse, hat der belgische Stardirigent Philippe Herreweghe einmal angedroht, würde er den Beruf wechseln. So gehässig muss man das nicht sagen, allerdings: Die zwei Cellokonzerte von Camille Saint-Saëns bedürfen, um Glanz zu entfalten, eines außergewöhnlichen Solisten. Und der ist im Kammersaal der Philharmonie zugegen. Mischa Maisky verzaubert im Andante des zweiten Cellokonzerts mit wie Blumengebinde in die zarten Holzbläser hineingeflochtenen Kantilenen.

Das erste Cello-Konzert liegt ihm noch mehr. Hier kann Maisky in seiner unnachahmlichen Mischung aus barocker Opulenz und hemdsärmeliger Bäuerlichkeit brillieren. Volle Griffe in die Saiten, zwischendurch ein paar ebenso volle Griffe ins wilde Haupthaar, so wird Saint-Saëns konsumierbar, wenngleich Maiskys Zugaben aus Bachs Cellosuiten letztlich doch die bezaubernderen Akzente setzen. Nach der Pause betreten wieder die 60 Musiker der Solistes Européens Luxembourg die Bühne des Kammersaals, eine Prozedur, die mit einigen logistischen Schwierigkeiten verbunden ist. Dass sich der Klang ob dieser Enge nicht entfalten kann, liegt auf der Hand. So gerät dem Orchester unter Jack Martin Händler Dvoráks siebte Sinfonie doch eher solide als mitreißend. Ulrich Pollmann

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben