Kultur : KURZ & KRITISCH

Jörg W,er

POP

Mit Mikro

und Spucke

Er trägt den Kopf immer noch tief zwischen den Schultern: Peter Hein hat sich seine Manierismen bewahrt, wenn er wie ein linkischer Vogel Strauß über die Bühne stolpert. Früher war der Schreihals der Fehlfarben als Griesgram berüchtigt, aber zum unrunden Jubiläumskonzert nach 26 1/2 Jahren überrascht er in der Volksbühne mit rheinischem Frohnaturell. Die Band aus alten (Frank Fenstermacher, Uwe Jahnke, Michael Kemner) und später hinzugekommenen („Pyrolator“ Kurt Dahlke, Schlagzeugerin Saskia von Klitzing) Mitgliedern versetzt Klassikern wie „Paul ist tot“ oder „Grauschleier“ kräftige Rock-Adrenalinstöße, bei denen allerdings die Punk-/Disko-Ambivalenz der Originale auf der Strecke bleibt.

Ihre Hausbesetzer-Hymne „Ein Jahr (es geht voran)“ rotzen die Fehlfarben als stumpf-metallischen Pogo heraus, um den „Klotz am Bein“ (Hein) los zu sein. Die angekündigten Gastauftritte nehmen sich im Vergleich zum stargespickten Album „26 1/2“ bescheiden aus. Fink-Sänger Nils Koppruch grummelt „Das sind Geschichten“, Gudrun Gut räkelt sich zu „Sonntag morgen“, und Schauspieler Peter Lohmeyer verunstaltet „Magnificent Obsession“ mit bemitleidenswert schwachem Sprechgesang. Großartig der Auftritt von Frank Spilker: Der Sänger von Die Sterne nörgelt über Heins vollgespucktes Mikrofon, worauf der kontert: „Du solltest dich geehrt fühlen, dass du meine Rotze trinken darfst.“ Mehr von diesem freundschaftlichen Punk-Spirit hätte aus dem soliden Konzert einen unvergesslichen Abend gemacht.

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