Kultur : KURZ & KRITISCH

Sybill Mahlke

KLASSIK

Landpartie

von Stadt zu Stadt

Die Aura der offenen Arme und offenen Herzen, die Werner Martin als Initiator der Brandenburgischen Sommerkon zerte im Umland Berlins heraufbeschwor, gehört der Geschichte der Wiedervereinigung an. Sein Nachfolger Wilhelm Kirchner begrüßt ihn und den stets präsenten ehemaligen Landesvater Manfred Stolpe zum Auftakt der 16. Saison, während Schirmherr Matthias Platzeck sich in der Potsdamer Kirche entschuldigen lässt. So lebt diese Gegenwart ein wenig von Rückwendung und Verklärung junger Vergangenheit. Die traditionelle Kaffeetafel, die sich in der Pause für geschlossen erklärt, obwohl die Bleche noch von Kuchen strotzen, empfängt die „Klassiker auf Landpartie“ im städtischen Ambiente des verkaufsoffenen Samstags: St. Peter und Paul liegt am Bassinplatz.

Keine öffentlichen Fördermittel. Erstaunlich, was dennoch geboten wird. Zuerst Mozart mit dem renommierten Kammerorchester Carl Phi lipp Emanuel Bach , das zudem ein Cellokonzert seines Namenspatrons aufführt. Ein a-Moll noch in der Nähe des alten Bach. Im Dialog siegt das Orchester über die vorzüglich sensiblen Soli Hans-Jakob Eschenburgs, weil die Akustik die stehenden Musiker bevorzugt. Hartmut Haenchen verteidigt wundersam die Feinarbeit der Mozart-Partituren, Trennschärfe gegen Energien von Schall. Großes Finale der Jupitersinfonie: Im Hintergrund der Trompeter Joachim Pliquett, der die künstlerische Leitung des Ganzen trägt.

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