Kultur : KURZ & KRITISCH

Jens Hinrichsen

KUNST

Als die Zeichen

tanzen lernten

Es klingt paradox: das Bilderverbot des Korans trieb herrliche Blüten. Die heilige Schrift durfte nicht illustriert werden, aber die Kalligraphen wussten sich mit reicher Schriftgestaltung und üppiger Ornamentik zu helfen, wie eine Kabinettausstellung im Museum für Islamische Kunst aufs Schönste beweist. Hauptsächlich stammen die Blätter aus dem Besitz des Londoner Antiquars Sam Fogg, der die Ausstellungskosten vorbildlicherweise komplett selbst übernommen hat. Zu sehen ist im Pergamonmuseum ein wahrer Schatz aus Papier, Tinte und Gold (bis 31. August, Di bis So 10–18 Uhr, Do 10–22 Uhr).

Weil Übersetzungen fehlen, erfährt der Betrachter zwar nicht, was in den Korantexten steht, aber im Schriftbild teilt sich doch die besondere Musikalität und der Rhythmus der arabischen Sprache mit. Auf einem leicht vergilbten Koranpergament des siebten nachchristlichen Jahrhunderts wirkt die Schrift wie eben geschrieben, Akzente rhythmisieren das Blatt, als wäre ein kleiner Vogel über die feuchte Tinte getrippelt. Die goldenen Lettern im so genannten „Maghribi-Duktus“ auf einem marokkanischen Blatt (um 1300) führen einen wilden Krummsäbeltanz auf. Die Exponate – darunter ein Blatt aus dem berühmten „Blauen Koran“ – umfassen eine Zeitspanne von 900 Jahren und repräsentieren die Regionen von Marokko bis Zentralasien. Der Vielfalt der unterschiedlichen Schriftstile und der Entwicklung der arabischen Schrift – nach der lateinischen weltweit am meisten geschrieben – spüren die informativen Begleittexte nach. Nicht so schön geschrieben, aber sehr lehrreich.

FILM

Was vom Schwenken

übrig bleibt

Leistungssportler sind auch in Thailand meist herzensgute, vom Bösen der Welt unbeleckte Leute, die in ihrer Freizeit mit Lkw-Konvois in abgelegene Dörfer fahren, um dort Spielzeug und Altkleider an die Eingeborenen zu verteilen. Da passt es gut, wenn das Dorf gerade von einer Horde Terroristen heimgesucht wird, die es in kollektive Geiselhaft nehmen wollen. Einen ganzen Tag lang dauern die Kämpfe in Panna Rittikrais Actionfilm Born to fight . Konsequenterweise besteht auch die Handlung neben Verfolgungsjagden, bei denen einige Dutzend Autos zu Schrott verwandelt werden, im Wesentlichen aus einer Aneinanderreihung virtuoser Kampfszenen. Dabei wird mit der Gesundheit des Stuntpersonals nicht zimperlich umgegangen, darunter viele thailändische Sportler, die in ihren eigenen Disziplinen glänzen dürfen. Da hier – Markenzeichen südostasiatischer Action – im Wesentlichen ohne Tricks und doppelten Boden gearbeitet wird, dürfte das Resultat Liebhaber authentischer Kampfkultur erfreuen, während Eleganz und Timing entsprechender chinesischer Filme auf der Strecke bleiben.

Inhaltlich bedient „Born to fight“ mit dem Feindbild der drogenhandelnen Separatisten nationalistische Klischees. Und auch sonst kommt der „gesunde“ thailändische Patriotismus aufdringlich fahnenschwenkend daher. Vielleicht ist das ja das Beste an diesem Film: Am Schluss dürften wohl alle im Publikum froh sein, in einem Land zu leben, wo Flaggen und patriotische Gesänge nach erfüllter Pflicht wieder auf dem Dachboden gelagert werden (Cinemaxx Potsdamer Platz, Cinestar Treptower Park). Silvia Hallensleben

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