Kultur : KURZ & KRITISCH

Daniel Völzke

FOTOGRAFIE

Diesseits,

jenseits

Nichts lässt sich ablesen auf dem Gesicht der Toten: Gibt es ein Jenseits? Darf man hoffen? Der Berliner Fotograf Ludwig Rauch zeigt unter dem Titel Paradise in der Galerie Alte Schule des Kulturzentrums Adlershof Aufnahmen von Toten und Lebenden, von Paradiesen und Orten, in denen die Menschen auf etwas zu warten scheinen (bis 19. September, Dörpfeldstr. 56, Di.-Do. 12-19 Uhr, Fr. 12-17 Uhr, Sa. 15-19 Uhr). Zu nahe tritt der 1960 geborene Rauch dem Betrachter mit einer Serie aus Vorher/Nachher-Bildern seiner sterbenden Großmutter: der ausdruckslose Blick der Kranken, die Beatmungsschläuche, die ruhenden Hände, noch durchblutet, die gefalteten Hände, nun wächsern, die Bahre. Und als letztes Bild dieses in kühles Licht getauchten, großformatigen Endes: die Urne mit Namen und Daten.

Der nächste Raum mit bunt-flitternden Fotografien der Kunstmesse Art Basel Miami und aus dem Nachtleben der Stadt lässt aufatmen. Es bedarf nicht der Leuchtschrift „Paradise“ am Museum of Contemporary Art, um mit Martin Luther zu wissen: Das Paradies ist überall. Stretchlimos, Silikon, Flirts, zeitgenössische Kunst, billige Effekte oder teurer Schampus – egal, solange bitte alles immer weitermacht. Porträts von Stars der Kunst- und Kulturszene, meist aus den neunziger Jahren, oft im Profil, und durch Bildaufbau, Unschärfe, Licht und Schatten malerische Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Städten und Straßen ergänzen die Ausstellung. Unwirtlich, unwirklich dieses Diesseits.

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