Kultur : KURZ & KRITISCH

Sarah Hofmann

POP

Wenn sich Katzen

glücklich jaulen

Wie Vöglein zwitschern sie. Sieben Frauen, starke Frauen, wie sich zeigen wird, und doch muten sie zunächst elfenhaft an, wenn sie singen. Guiseppe Verdis „Pace, Pace“ erklingt ebenso lieblich und offenbart zugleich die ausgebildete Kopfstimme wie schon kurz danach „Sing, Sing, Sing“ und „Natural Woman“ von Aretha Franklin . Das Spektrum von „Human Voices. Die Nacht der Stimmen“ ist breit, obwohl offensichtlich wird, dass im Tipi Zelt am Kanzleramt (bis 22. September; Di–Sa 20 Uhr 30, So 19 Uhr 30) professionelle Opernsängerinnen am Werk sind, die unter der Regie von Oscarpreisträger Pepe Danquart durch Klassik-, Pop- und Weltmusik-Gefilde von Verdi über Nina Hagen bis zu Zap Mama führen. Bei sanftem Gezwitscher bleibt es nicht. Keck legt Elisabeth Markstein los: „Badabadibibdibida“, und die mokierte Replik von Janet Williams folgt schnell: „Bododibidada“. Großes Gelächter. Es folgt Gioacchino Rossinis Katzenduett, bei dem Fabienne Jost und Sabra Lopes sich im Miauen gegenseitig übertreffen. Dies war auch das gleich zu Beginn etwas pathetisch erklärte Ziel: „das verlorene Buch der Melodien aus einer Zeit vor der Sprache“ wieder aufleben zu lassen. Die Gefahr, ins Kitschige zu entgleiten, zeigt sich nochmals, wenn Ji-Yeon Shin auf Koreanisch „Without love ... we have nothing“ singt und dazu eingängige Symbole mit ihren Armen formt.

KUNSTHANDWERK

Die Moderne

nach dem Bruch

Ein leichtes Aufatmen ging durch das Westdeutschland der fünfziger Jahre: Die Deutschen tanzten Foxtrott, umgaben sich mit nierenförmigen Möbeln, und das „Frollein“ betonte seine bestrumpften Beine durch eine schwungvolle Mittelnaht. Alles hatte allerdings in soliden Bahnen zu bleiben und durfte ja nicht die neu gewonnene Geborgenheit bedrohen. Auch das Berliner Porzellan jener Zeit nahm Lebensgefühl und Formempfinden der breiten Masse auf. Das Bröhan-Museum zeigt mit der Kabinettausstellung Das weiße Wirtschaftswunder (bis 29. Oktober; Schloßstr. 1a, Di–Do 10–18 Uhr), wie sich Aufschwung und Scham in leichten wie bescheidenen Entwürfen niederschlugen. 1956 hatte die Königliche Porzellan Manufaktur Berlin (KPM) ihre Produktion wieder aufgenommen, und die Gestalter Trude Petri und Siegmund Schütz, die dieses Jahr ihren 100. Geburtstag feiern könnten, huldigten der schlichten Form in geschwungenen Linien. Weiß ist dieses Wunder hingegen nur bedingt, wie die 80 Exponate aus der Sammlung des Grafen Finck von Finckenstein zeigen: Seladongrüner, kobaltblauer und goldener Dekor verzieren die Dosen, Vasen und Services. Von Sepp Ruf entworfene, unauffällige Möbel aus dem Arbeitszimmer Ludwig Erhards ergänzen diese kleine Zeitgeschichte, die eine überraschend unbiedere, frühe Bundesrepublik präsentiert. Daniel Völzke

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